Anmerkung zu diesem Bericht
Die schlechte Qualität der Fotos und das fehlende Layout bitte ich zu entschuldigen.
Ich habe den Bericht damals während des Trips vom Laptop aus ins Netz gestellt,
natürlich mit wenig Zeit und ohne kalibrierten Monitor.
Und jetzt habe ich einfach keine Lust mehr, alles nachzubearbeiten ...
Trotzdem viel Spaß beim Lesen!
alk. im Dezember 2009


Ich kann es nicht sein lassen ... selbst im Urlaub muss ich irgendetwas tippen. Was liegt da näher, als abends oder bei Regen
bzw. wenn gerade nix besseres zu tun ist, einen Reisebericht zu basteln? Also bitteschööön - hier isser. Zum einen für die
Freunde und Bekannte die es interessiert, zum anderen für Womo-Fahrer, die zufällig über die Seite hier gestolpert sind und
(genauso wie ich) im Vorfeld der Planungen für eigene Touren einige Reiseberichte im Netz abgrasen.
Das hier ist also einfach nur privater Spaß. Rechtschreib- Grammatik- und sonstige Fehler werden
wohlwollend geduldet, zumal ich das hier direkt im HTML-Editor ohne Rechtschreibprüfung tippe ;-)

Also: Der Plan sieht folgendermaßen aus: In 12 Tagen die komplette dänische Nordseeküste abfahren und an der Ostseeseite
(nur Jütland) wieder runter. Mein Planhelfer ist ein geliehenes Wohnmobil. Und damit fängt der Reisebericht quasi an ...


DÄNEMARK-TOUR 2007 - Jytland



(Klick auf die Karte öffnet sie in groß)



TAG 1 - 20.08.2007
Eifel - Wedel


Ich bin schon mit einem komischen Gefühl aufgestanden. Irgendetwas außerplanmäßiges hatte ich im Morgenurin. Beim
Vermieter des Womos angekommen war dann auch schnell klar, was. Eigentlich hatte ich mit einem Adria "TwinTop"
gerechnet, den ich schon mal geliehen hatte und der absolut ausreichend ist. Leider lag bei der Buchung wohl ein
Mißverständnis vor, denn ein frischgeputzter Adria "Club" wartete auf mich. Gerade mal 5000 km drauf, blank gewienert
und etwas günstiger als mein gewünschtes Womo. Dafür natürlich kleiner (zwei Leute hier drin würden gar nicht gehen),
ohne feststehenden Tisch mit Sitzbank (ich muss jedes mal diesen %&$!-Tisch aufbauen), ohne Sat-TV und ohne
Markise. Dafür aber (komischerweise) mit einem leicht bequemeren und wenige Quadratzentimeter größeren "Bad" -
ist zumindest mein Eindruck. Nunja. Die Tour sollte sowieso mein erster "Solo-Urlaub" werden. Ich dachte anfangs, dass
fehlende TV sei das schlimmste (am 22.08. spielt England-Deutschland in Wembley!), gefolgt von der Markise und dem
Tisch. Inziwschen (ich schreibe dies hier am Abend von Tag 2) nehme ich alles zurück. Der Tisch!! Jedes mal umbauen,
wenn man am Tisch sitzen möchte ist sowas von umständlich!
Egal - ich höre auf zu nölen und fahre mal fort. Nach dem üblichen vergesseneseinkaufenundwomoeinladen-Prozedere ging
es - natürlich später als geplant - um 15 Uhr los. Aber erst, nachdem ich noch mal beim Vermieter vorstellig wurde,
weil der Kühlschrank einfach nicht funktionieren wollte. Groß helfen konnte man mir da auch nicht, der würde schon laufen,
ich bräuche nur ein wenig Geduld. OK, sie hatten Recht. Auf Gas läuft alles prima und wird auch kalt wenn man ein paar
Stündchen wartet. Aber sobald man auf Strom umstellt, taut er plötzlich wieder ab bzw. wird warm. Wie auch immer,
ich kann die (zum Glück beiligende) Bedienungsanleiung des Teils jetzt auswendig und ... et läuuuft.
Bei der doch recht eintönigen Fahrt nach Wedel in die Nähe von Hamburg hielt mich "Malerische Morde", dass
neue Hörbuch vom guten Ralfi Kramp (ein bisschen Werbung für den alten Mann möge erlaubt sein), wach. Erstaunlich
war, dass ich in der Eifel bei 14°C und Fast-Regen losfuhr und um 20 Uhr bei etwa 22°C und Sonnenschein ankam.
Wedel liegt ca. 20 km westlich von Hamburg entfernt. Ich wollte dort meine erste Nacht-Zwischenstation verbringen, um mir
das "Welkomm-Höft" anzuschauen und abends eine Bekannte aus Hamburg zu treffen, die mit der S-Bahn nach Wedel kam.
Das Treffen und die dazugehörigen Bierchen liefen am Campingtisch vor dem Womo ab - Im T-Shirt und mit Wetterleuchten.
Was für ein bekloppter Sommer. Es ging darauf schnell in die Heia und ich muss ja sagen - prächtig geschlafen! Die Bettstatt
in meinem Womo kann schon was.


TAG 2 - 21.08.2007
Wedel - Rømø


"Na, so ein Kaffee und dazu eine leckere Zigarette sind doch was Feines, nicht?" Ohoh... Nachbar-Alarm! Ich habe ja
überhaupt nix gegen einen netten Plausch mit einem Nachbarn auf einem Womo-Stellplatz. Gar nichts - Im Gegenteil.
Aber nicht am frühen Morgen, beim ersten Kaffee und nachdem ich ein dreckiges 25-M-Stromkabel aufgerollt, den
Tisch von tausenden Mückenleichen befreit habe und noch nicht auf Klo war. Lange Rede, kurzer ... Ich kenn jetzt zwar immer
noch nicht den Namen des guten Mannes, dafür aber seine komplette Familien- und Berufsgeschichte, wie und warum
er mit dem Rauchen und Trinken aufgehört hat, usw. Ihr kennt solche Leute. Gegen 10 Uhr stehe ich am "Willkomm-Höft".
Eine sehr spaßige Sache. Hier werde alle Schiffe begrüßt bzw. verabschiedet die in den Hamburger Hafen hinein- oder herausfahren.
Auch wenn zwischen Wedel und Hamburg noch ein paar Seemeilchen liegen, steht hier in Wedel eben diese Begrüßungsanlage,
warum auch nicht. Jedes Schiff über 500 Bruttoregistertonnen bekommt einen akustischen Gruß in Form von einem immer
gleichen Standard-Liedchen (allerdings in der Sprache des jeweiligen Landes) und der Nationalhymne. Als ich gerade
ankomme, sehe ich vom Womo aus drei große Pötte vorbeifahren und höre diverses Gedudel im Hintergrund.
Als ich dann im strömenden Regen auf dem Höft stehe, kommt natürlich eine dreiviertelstunde lang keine einzige
Nussschale vorbei. Dann bekomme ich aber doch noch die Hymne von Panama und Holland zu hören und ein paar
Fotos geschossen.



"Willkomm-Höft" in Wedel


Um zwölf geht es ab in Richtung Dänemark. Noch ein kurzer Tankstopp (ich bin Autogas gewohnt - Was Diesel kostet
ist ja der Hammer ! ;-) und los über Flensburg nach Waterworld. Kurz hinter der Grenze Raucherpause und das
symbolische Euro-in-Kronen-Austauschen in der Brieftasche. Die Landesgrenze scheint im übrigen auch die Regengrenze
zu sein. Es ist "nur noch" extrem bedeckt über mir.



Gegen 15.30 Uhr komme ich am Damm zur Insel Rømø an, nachdem ich mir geschworen habe, nie wieder
"kürzeste Strecke" bei der Routenplanung meines Navis auszuwählen. Die "schnelleste Strecke" wäre sieben
Kilometer länger, aber ich sicherlich auch eine halbe Stunde früher da gewesen.
Nunja, habe ich wenigstens mal ein paar Feldwege kennengelernt, die hier offiziell noch als normale Straße gelten.
Dänische Provinz ist halt eben auch nix anderes als Eifel - nur mit mehr Schlaglöchern und ohne Teerbelag.
Auf dem Damm nach Rømø nehme ich meinen ersten Geocache mit. Schön einfach.



Wenige Kilometer später fahre ich auch schon auf der Insel ein. Mein Ziel ist der Lakolk-Camping, aber vorher natürlich
der Strand. Als Lakolk rechts an mir vorüber gezogen ist, sehe ich die Autos vor mir auf Sand fahren. Links und rechts
Dünen und plötzlich Verkehrsschilder im Sand. Ja, wirklich - hier ist der Strand befahrbar! Jeder sucht sich seinen
Parkplatz selber aus - da wo er möchte. Die ganz Wagemutigen fahren den drei Kilometer breiten (!) Strand geradeaus
bis direkt ans Meer. Ich bin völlig begeistert. Ich meine, ich fahre einfach so auf Strand rum! Ist schon ein komisches Gefühl,
aber auch sehr geil. Der Sand ist total fest und gute befahrbar, trotzdem halte ich lieber noch etwa 100 Meter Abstand zur
Brandung. Es wär doch sehr peinlich und nervig, sich hier festzufahren. "Hallo, Herr ADAC? Ja, ich bin im Sand
steckengeblieben. Kurz vor der Brandung. Gerade kommt die Flut, vielleicht könnten Sie ein wenig schneller als gewöhnlich ..."
Ein kurzer Strandspaziergang und ein paar Fotos später kommt die Sintflut. Der Regen fällt waagerecht und in solchen
Massen, dass der Scheibewischer kapituliert (ich bin natürlich wieder schnell ins Womo zurückgeflüchtet).


Erst mal ein Käffchen am Strand!



Schöner Parken


Dänische Sintflut durch die Womo-Dachluke gesehen


Also ab zum Lakolk-Camping. An der Rezeption die erste "Feindberührung". Aber das nette Mädel spricht fließend Deutsch.
Nachdem ich mich als fast 33jähriger sehr geschmeichelt fühle, dass Sie mich sofort geduzt hat (wie oft bekomme ich
einen Hals wenn mich jüngere siezen!) fällt mir wieder ein, dass das "Sie" im dänischen so gut wie nie genutzt wird. Egal.
Ich beziehe meinen Platz und spule das übliche Camping-Programm runter. Kochen, Spülen, Aufräumen, Duschen.
Es gibt lecker Tortellini, bei denen ich mir eine DVD anschaue. Meine Laptop-DVB-T Antenne erkennt zwar einige dänische
Sender, will sie mir aber partout nicht anzeigen. Pöh! Die sanitärischen Einrichtungen direkt neben meinem Stellplatz
ziehe ich der Dusche meine Womo-Naßzelle vor. Wirklich zu empfehlen sind die Camping-Duschen hier aber nicht.
Bei ein, zwei Bierchen fange ich danach so langsam an, dies hier zu tippen. Und jetzt hab ich auch keine Lust mehr.


TAG 3 - 22.08.2007
Rømø - Vejers Strand

Immer noch bedeckt, aber trocken! Nach Frühstück, betanken des Frischwassertanks und Enstorgung meiner
organischen Abfälle bin ich gegen halb elf auf dem Weg nach Ribe, Dänemarks ältester Stadt, die nur etwa 30 km
entfernt liegt. Also wieder ab aufs Festland. Vor den Toren der Stadt liegt ein Parkplatz, der wohl nur für Campingwagen
und Womos gedacht ist. Von hier sind es zehn Minuten Fußweg bis ins Zentrum. Auf dem Parkplatz bemerke ich
etwas, das mich den ganzen Tag hindurch begleiten wird: Deutsche Nummernschilder. Ich wundere mich, wo all
die Dänen abgeblieben sind. Auch im Zentrum von Ribe finde ich sie kaum, bis auf eine plärrende Schulklasse
vorpubertierender Teenies, die kreischenderwiese durch die Gassen ziehen. Apropos Gassen: Ich erkunde die Stadt
mit einem Geocache, der schön gemacht ist und einen an die wichtigsten Sehenswürdigkeiten führt. Angefangen
beim für eine Stadt dieser Größe riesigen Dom über die kleinen, verwinkelten Sträßchen bis hin zum kleinsten Haus Ribes
(da kann man wohl grade drin stehen) und einem schönen Klostergarten. Dummerweise schaffe ich die letzte Station, den
eigentlichen Cache, nicht, weil ich mich bei irgendeiner der Aufgaben verzählt haben muß. Egal, die Stadtführung war
trotzdem schön. Während meiner Tour in Ribe fängt es immer mal wieder an zu pladdern. Nicht wirklich viel, aber ausreichend
um naß zu werden. Der dänische Regen kommt übrigens anscheinend immer in Etappen, nicht nur in Ribe, sondern überhaupt.
Aber gerade dort ist es mir aufgefallen. Komischerweise decken sich diese Etappen mit dem herausholen meiner Kamera.
Immer, wenn ich nach einem Zwei-Minuten-Schauer meine Kamera trockengeputzt und wieder startklar habe, fängt der
Regen wieder an. Packe ich sie weg, hörte es auch auf zu pladdern. Nachdem ich dieses Spiel ein paar mal beobachtet
habe, mache ich mir einen Spaß draus, die Touri-Massen dabei zu beobachten. Kamera raus - Regenschirme raus.
Kamera rein - etc ... Irgendwann höre ich auf damit als ich merke, dass ich mir damit selbst in den Hintern kneife und immer
nasser werde. Also wenige Fotos aus Ribe, auch gut. Die wirklich schöne Stadt wird mir, am Rande bemerkt, von einem
kleinen Mädchen und ihrem mutmaßlichen Papa ein wenig versaut. Irgendwo in diesen ganzen Gassen ist wohl ein
Fest und irgendeine D-klassige Coverband spielt dort auf. Am Mikro eine schätzungweise zehnjährige Göre, deren Stimme
schlumpfartig quiekt und ein etwa 50jähriger Sack, der dazu die zweite Stimme "singt". Auf dem Programm stehen
Pop- und Rocknummern der 50er bis 80er. Und obwohl ich die beiden nie zu Gesicht bekomme, begleitetet mich
ihre wunderschöne, sicherlich nicht nur an meine Schmerzgrenze gehende, "Performance" in jeden noch so hintersten
Winkel der Stadt, wobei die Lautstärke je nach Windrichtung variiert.


Ribe "Hafen" und die Fiskergade ("Fischergasse" - jaha - mein Dänisch wird so langsam ;-) )

Zurück auf dem Parkplatz sehe ich zum ersten Mal die dänische Sonne. Auf einmal ist sie da und sofort wird es richtig
warm. Also ab auf den Bock und wieder 30 km weiter in Richtung Esbjerg. Die fünftgrößte Stadt Dänemarks ist nicht
wirklich sehenswert, weil hauptsächlich Industriestandort mit großem Hafen. Das sagen meine diversen Reiseführer, und
nachdem ich kurz am Fischereihafen geparkt habe, sage ich das auch. Nach fünf Minuten Aufenthalt geht es ein paar
Kilometer aus der Stadt heraus zu meinem eigentlichen nächsten Ziel, den "Mennesker ved Havet", einer Steinskulptur mit
vier Kollegen, die auf das Meer hinausstarren. Nichts weltbewegendes, aber sehenswert und wirklich groß. Ausserdem
ein schönes Fotomotiv.


Die "Mennesker ved Havet"

Die letzte "größere" Strecke führt mich zum Blavands Huk, dem westlichsten Punkt von
Festland-Dänemark. Nachdem ich letztes Jahr auf dem östlichsten Punkt stand und in ein paar Tagen der nördlichste
Punkt erreicht werden soll, muss ich mir das natürlich geben. Ausserdem wartet dort ein schöner Strand mit Leuchtturm.
Die Sonne ist inzwischen wieder in Wolken eingepackt, die aber trocken bleiben. Bevor ich den Blavands Fyr (Leuchturm)
erreiche, muss ich durch Blavand selbst, einer Retorten-Ortschaft erster Kajüte. Auf dem Weg dorthin Wald, Heide,
Einöde. Zehn Kilometer lang. Dann plötzlich direkt hinter dem Ortsschild Menschenmassen. Und alle deutsch! Ich meine
alle!! In ganz Blavand habe ich ein dänisches Nummernschild gesehen. Dafür aber fünf Supermärkte. Edeka, Spar und sogar
Schlecker (der alte Monopolist). Viele Schilder vor den Geschäften oder Ferienhäusern sind auch auf deutsch. Bei einem
Imbiss, den ich mit dem Womo passiere, schalte ich leider nicht schnell genug für ein Foto. Ich glaube, der Besitzer hat
sich einen kleinen Scherz erlaubt, weil er in irgendeinem Angebot auf der Tafel ein "ss" in altbekannter, seit etwa 62 Jahren
verpönter, Runenschreibweise drauf gemalt hat. Also, um es kurz zu machen: Blavand ist Renesse in hässlich. Wer schon
mal in dem holländischen Badeort war, weiß Bescheid.
Am Blavands Huk bzw. dem Blavands Fyr kämpft sich die Sonne wieder minutenweise durch das Grau und ich spaziere
zum Leuchturm und durch die lilagrüne Heidelandschaft an den Strand. Hübsch hier. Der Wind gibt vielen Drachenfreunden
ordentlich Treibstoff und es schwimmen sogar einige. Am Strand entdecke ich die ersten versandeten Bunker des
Atlantikwalls und nahe dem Leuchtturm steht eine weitere große, alte Anlage. Ich vermute einen Flakbunker oder eine
Geschützstellung, die an dieser exponierten Stelle aufs Meer ausgerichtet war.


Der Blavand Fyr und ein mutmaßliche Flakbunker direkt daneben

Zurück im Womo wird der Campingplatzführer gewälzt. Eigentlich will ich heute frei stehen, aber mein Handy erinnert
mich an das Spiel heute Abend. England gegen Deutschland im neuen Wembley-Stadion. Muss ich haben!
Und dank dem fehlenden Fernseher muss ein Camping mit TV her. Am Vejers Strand, wo ich sowieso noch hin wollte,
findet sich einer. Nach 20 km dort angekommen, begrüßt mich eine essende Kleinfamilie in einer Rezeption, die
gleichzeitig den Supermarkt und wohl auch das Esszimmer der Platzwarte darstellt. Aber sehr nett, die Frau.
Während ich auf meinem Platz einparke, knallt die Sonne vom Himmel. Ein wunderschöner Untergang derselben kündigt
sich an. Es wird Zeit für ein kombiniertes Mittag- und Abendessen. Lecker Würstchen mit Bratkartoffeln und Gurkensalat,
man gönnt sich ja sonst nichts.


Mjam
!

Danach die Premiere - meine erste Dusche im Womo! Die Duschen auf dem Camping wollen Duschmarken, die hab ich
aber nicht und die Rezeption ist inzwischen geschlossen. Klappt aber ganz gut - ich bin begeistert! Jetzt noch zwei Bier
geschnappt und ab zum kleinen TV-Raum, den der Platzwart mir netterweise offengehalten hat, weil ich bei meiner Ankunft
bereits das Spiel erwähnt hab. Nunja, hat sich ja auch gelohnt. Ich sitze ganz allein in dem Räumchen, dass auch
gleichzeitig als Spielzimmer und Warenlager herhält. Der Camping ist klein und wer hier guckt, der tut dass im Wohnwagen.
In der Halbzeit kommt der nette Mr. Platzwart und fragt, ob alles OK sei. Dann drückt er mir drei Schlüssel in die Hand.
"Hier, wenn Du fertig bist schließt Du bitte ab und bringst mir die Schlüssel morgen beim auschecken mit". Na, soviel
Vertrauen in die Menschheit will ich auch mal haben! Pünktlich zum Abpfiff (1:2 - yes!!) fängt es an zu gewittern und
bis gerade im Moment (01:00) hat es geschüttet wie aus Eimern. Plötzlich herrscht auf einmal Stille. Sagt mir was Ihr
wollt, der Regen hier in DK ist ein anderer. Und jetzt reichts auch für heute. Wenn es nicht so gepieselt hätte, wäre mein
Textanfall weitaus kleiner ausgefallen, ich bin nämlich müde. Aber bei dem Krach auf dem Blechdach hätte sogar ich nicht
einschlafen können.


TAG 4 - 23.08.2007
Vejers Strand - Thorsminde

Unglaublich! Beim Frühstück um 09.30 Uhr ist der Himmel noch etwas bedeckt, aber schon beim aufräumen
des Womos klart es auf - und wird richtig warm! Und das, obwohl der dänische Meteorologische Dienst im Internet
für genau diese Region heute ausschließlich stark bewölkt und regnerisch meldet. Manchmal mag ich es, wenn
Meteorologen ihren Job verfehlt haben. Also schnell ab auf die Straße, so ein Wetterchen will genutzt sein. Heute
geht es zuerst nach Hvide Sande, einem kleinen Ort, der fast nur von der Fischindustrie lebt und auf einer schmalen
Landzuge gebaut wurde, genau zwischen dem offenen Meer und dem Ringkøbing-Fjord. Gar nicht so blöd, die
Hvide Sander. So können Sie schön beides abfischen und haben dazu noch was für Touristen zu bieten, die das
Wasser mögen. Schon der Weg dorthin ist landschaftlich sehenswert. Erst geht es durch unendliche Heidegebiete, die
mit den Dünen der Küste im Hintergrund und ein paar hingesprenkelten Tümpeln, kleinen Seen und Fischerhäuschen ein
äußerst idyllisches Bild abgeben. Zwischendurch immer mal wieder ein kleines Waldstück. In dieser Gegend übt
auch das dänische Militär. Teilweise sah es landschaftlich wirklich aus wie auf Burg Vogelsang zu Zeiten der Belgier.
Auch ein paar grüne Männchen mit Zweigen auf dem Hut laufen in der Gegend rum und spielen Krieg. Als ob die Dänen
in irgendwelchen kriegerischen Auseinandersetzungen überhaupt eine Chance hätten ;-). OK, den "Krieg gegen den Terror"
hab ich jetzt vergessen, da sind sie ja mit ein paar Hunderschaften vertreten.
Je näher ich Hvide Sande komme, um so mehr Möwen tauchen am Horizont auf. Logisch, bei der Fischindustrie.
Links die Nordsee hinter Dünen versteckt und rechts der Ringkøbing Fjord (nicht versteckt), dazwischen die Straße.
Schön hier! In Hvide Sande parke ich an der Tourist-Info und latsche zu den beiden Hafengebieten links und rechts
der Einlassschleuse, die den Fjord vom Meer trennt. Mit diesem Gerät wird der Wasser- und Salzgehalt im Fjord
kontrolliert, so lerne ich auf Hinweistafeln. Und zweimal im Jahr zur großen Heringswanderung wird auch weit aufgemacht.
Dann muss es dort soviele Heringe geben, dass man nur die Hand ins Wasser halten braucht. Der Hafen ist ziemlich
voller Schiffe, was nicht so toll ist, Eigentlich hatte ich ja gehofft, ein paar Fischern beim ausladen zugucken zu können,
aber es kommt nur ein einziges Boot rein. Ich bin bestimmt zu spät.



Hafenimpressionen Hvide Sande

Gut anderthalb Stunden spaziere ich dort herum und sattle dann wieder auf in Richtung Ringkøbing. Das 17.000
Einwohner-Städtchen liegt direkt am Fjord, dem es seinen Namen gab. Heute ist Hafentag! Ich parke direkt neben
Jachten und Fischerbötchen. Sofort lege ich mit einem Cache los, der mir die Altstadt näherbringen soll.
Der Cacheowner hat sein betes gegeben, aber sooo viel zu sehen gibt es hier nicht. Eine kleine, aufgeräumte dänische
Stadt in schöner Lage. Mit den üblichen Modegeschäften, vielen Touris, und zwei, drei Denkmälern. Einer der ersten
Nordpol-Forscher stammt wohl von hier, Name schon wieder vergessen.
Sein Museum spar ich mir und löse den Cache in gut zwei Stunden. Bei der sechsten und letzten Station stutze ich ein
wenig, denn mir kommt die Gegend so bekannt vor ... Tatsächlich! Der Cache liegt 100 Meter von meinem Womo entfernt
am Hafen! Zwischendurch habe ich mir noch die kleine Kirche angeschaut und meinen ersten dänischen Hotdog des
Urlaubs gegessen. Die werden hier nicht mit normalen Bockwürstchen gemacht, sondern mit Pølser. Ist wohl eine
dänische Spezialität, genau wie der Hotdog an sich, Smørebrød und Softeis. An letztere zwei werde ich mich die
nächsten Tage dranmachen. Pølser sind übrigens knallrot und schmecken wie normale Bockwürstchen ;-)
Über die ganze Lauferei ist es doch schon spät geworden.


Buddelschiffe in der Kirche sind in Dänemark Standard (Kirche Ringkøbing)



Mein erster Hotdog - mit Pølser



Hafen in Ringkøbing


Um 17 Uhr mache ich mich auf nach Thorsminde, wo ich heute auf den Camping rollen möchte.
Einer meiner Reiseführer schwärmt total von einer Baderast am Stadil Fjord, der auf dem Weg nach Thorsminde liegt.
Also fahr ich der Wegbeschreibung des Reiseführers hinterher und finde ein wirklich schönes Plätzchen an einem
großen Süsswassersee - Verzeihung: Fjord. Wiese, Schilf, ein laaanger Steg und ganz seicht abfallendes, lauwarmes
Wasser. In die Versuchung zu schwimmen komme ich aber nicht, denn tausende, nein abertausende kleine Fische
bevölkern den Grund. Bei jedem Schritt auf den Planken des Stegs sieht man, wie eine große schwarze Wolke unter
der Wasseroberfläche davonstobt. Setz ich mich halt auf den Steg und beobachte die einzigen zwei menschlichen
Wesen, die noch hier sind. Einer fährt Motorboot und zieht den anderen auf Wasserski hinter sich her. Sobald sie in
Ufernähe kommen, rasten die kleinen Fischchen aus. Dieses Spiel guck ich mir eine Viertelstunde an und fahre ab
nach Thorsminde. Das Dorf liegt ähnlich eingekeilt wie Hvide Sande, allerdings ist es hier der Nissum Fjord.
Die Rezeption hat schon geschlossen. Dafür hängt ein Schild an der Tür, auch auf deutsch. "Bitte Platz selber suchen,
Schranke öffnet automatisch. Morgen erhalten sie gegen Zahlung eine Schrankenkarte". Beruhigend. Ich sehe mir den
Platz erstmal in Ruhe an, er könnte ja voll sein. Aber ich entdecke ein schönes Plätzchen. Also noch auf zum nahen
Strand des Dorfes.
Und endlich: Meer! Ich meine, Meer hatte ich in den letzten Tagen öfters, aber hier gibts auch jede Menge Brandung.
Mit den Füssen traue ich mich rein und als ich grade überlege, die Klamotten auszuziehen bemerke ich eine tiersiche
Strömung und sehe, wie stark der Grund auf wenigen Metern abfällt. Nix für eine Bleiente wie mich. Also noch ein
paar Fotos vom Strand und der nebenan gelegenen Mündung des Fjords. Angler hats hier auch ohne Ende.


Endlich - Brandung!


Mündung Nissum Fjord in Thorsminde

Ich angle mir auf dem Campingplatz lieber die Pfanne und brutzle was leckeres. Essen möchte ich draussen am Tisch,
aber ich hab nicht mit der Mückenwolke gerechnet. Diese Viecher treten hier in Wolken auf und sind dermassen aggressiv,
dass man in einer Minute ohne eigene Gegenwehr locker fünf bis zehn saugend auf Gesicht und/oder Armen und
Beinen sitzen hat. Ohne Scheiß! Nach dem Essen kommt zum ersten Mal mein acht Euro teures, von Stiftung Warentest
ausgezeichnetes Super-Anti-Mücken-Schnacken-Zecken-Zeug auf die Haut. Und nu guck - die Viecher kommen angeflogen,
rümpfen fast sichtar die Nase und hauen wieder ab. Dummerweise hilft der Kram nur fünf Stunden. Dann werd ich heute
Nacht wohl wieder das Licht im "Bad" anlassen, um die fiesen Viecher wenigstens ein wenig zu verwirren. Ach ja: der
ganze Tag war wettermäßig prächtig!

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