Wer durch den Unterseiten-Fund einer Suchmaschine oder einen Link hier gelandet sein sollte:
Diese Seite ist ein Teil der Homepage www.mythirdeye.de !


__==  KORSIKA 2010  ==__

Der Plan: In 13 Tagen von einer Ferienwohnung in Calvi aus einen Teil der Westküste erkunden.
Planhelfer: Dumont Reiseführer Korsika, kostenloser PDF-Führer von www.paradisu.de, weitere ungezählte Webseiten
Auto: Der eigene Fiat Grande Punto, Mietwagen & Flug erwiesen sich in der Planung als weitaus teurer als eigenes Auto & Fähre
Wir sind: Meine Freundin Rebekka und meine Wenigkeit
Reisezeit: 12.09.-25.09.2010


Vorab ...
Es gibt verdammt viele Webseiten über Korsika. Und das, obwohl (oder vielleicht gerade weil) die Insel immer noch eine Hochburg für Individualtouristen darstellt und bei der breiten Masse nicht unbedingt so angesagt ist. Allerdings werden die Touristen immer zahlreicher und wer Korsika in Ruhe entdecken möchte, sollte die Monate Juli und August tunlichst meiden. Aber ich will nicht jetzt schon ins Schwafeln geraten – Worauf ich hinaus wollte ist, dass in diesem Bericht das Rad nicht neu erfunden werden wird. Bis auf ein paar Ausnahmen werde ich mich mit tiefschürfenden Hintergrundinfos etc. eher zurücknehmen. Das findet man woanders im Netz auch, teilweise sehr umfangreich wie beispielsweise auf der tollen Site www.paradisu.de. Dies hier ist in erster Linie als persönlicher Erinnerungsspeicher für unseren ersten Korsika-Trip gedacht. Vielleicht dienen Dir oder Euch unsere Erlebnisse, Infos und Fotos aber auch als Anregung für einen eigenen tollen Urlaub auf „der Schönen“(„die Schöne“ bzw. „Kalliste“ wurde die Insel schon von den ollen Griechen genannt, und die mussten es ja wissen) ...

NOCH EIN WORT ZU DEN FOTOS:
Die Thumbnails stellen teilweise nur Ausschnitte dar!
Jedes Foto öffnet sich auf Klick in seiner vollen Größe. Panorama-Fotos sind extra gekennzeichnet.



Korsika
(Ganze Karte in neuem Fenster öffnen - Klick!)

Calvi und unsere Unterkunft (grüner Pfeil)
(Ganze Karte in neuem Fenster öffnen - Klick!)


TAG 1, 12.09.10, SONNTAG

Köln-Genua-Bastia-Calvi
Warm und Sonnig, 25°C, wenig Wind

Gestern Abend haben wir uns um 19.15 Uhr in Köln auf den Weg gemacht. Es ging über Karlsruhe und Freiburg in die Schweiz (Plakette nicht vergessen!), dann über Basel und den Gotthardtunnel nach Italien und über Mailand bis Genua, wo wir um 04.45 Uhr am Hafen ankamen. Die Fähre geht zwar erst um 09.00 Uhr, aber man muss anderthalb Stunden vorher da sein. Unser Sicherheitspuffer war offensichtlich trotzdem zu großzügig bemessen. Nachts sind die Autobahnen natürlich schön frei und bis auf zwei kurze Tank- und Kaffee-Stopps, einmal bei Freiburg und einmal im Tessin, sind wir durchgeknattert. Die Einfahrt zum Fährhafen ist noch mit einem Gatter verriegelt, also reihen wir uns in eine kleine Warteschlange von fünf Autos ein, die noch früher da waren als wir. Nach einem kleinen Schwätzchen mit den vor uns Wartenden gönne ich mir ein Stündchen Schlaf im Auto, bis um 06.00 die Tore öffnen. Entgegen allem, was ich vorher von chaotischen Verhältnissen beim Einschiffen gelesen habe, läuft alles reibungslos. Uns wird von zahlreichen Posten der Weg gewiesen, dreimal wird unser selbst ausgedrucktes Internet-Ticket verlangt, wir bekommen verschiedene Aufkleber aufs Auto und stehen dann auch schon in der Warteschlange. Noch knapp anderthalb Stunden warten! Also ein improvisiertes Frühstück am Kai mit Blick auf den Sonnenaufgang. Doch, schon merklich wärmer hier im Süden. Ich bummle ein wenig herum um ein paar Fotos zu machen. Als die Fähre pünktlich um halb acht anlegt, wird es dann doch noch leicht hektisch. Verfahren kann man sich zwar logischerweise nicht, aber die Einweiser auf dem Schiff kennen kein Pardon. Da ist nichts mit zögern, es bleibt keine Zeit, um sich über den Rückspiegel sorgen zu machen. Endlich in der finalen Parkposition angekommen entern wir die „Freedom“ und suchen die Rezeption, um unseren Kabinenschlüssel zu erhalten. Diese ist in 1980er Style gehalten und besteht aus zwei Kojen, einem großen Bullauge und einem leicht siffigen Plastikbad mit Dusche. Nicht zu vergessen das Nachttischradio am Kopfende des Bettes, das immer wieder wichtige Nachrichten übermittelt, zum Beispiel die Öffnungszeiten sämtlicher Bordrestaurants etc. Dreisprachig, laut, alle fünf Minuten und nicht abschaltbar! Zwei Pflaster und eine dicke Lage Tempos lassen die Stewardess nur noch murmeln statt schreien. Noch vor dem Ablegen schlafen wir tief und fest.

(Wie wir nach unserer Heimkehr erfahren, passierte genau an dieser Stelle des Hafens von Genua zwei Wochen später ein tragisches Unglück bei der Ankunft einer Moby Lines Fähre. Ein junges Paar aus Deutschland befand sich mit seinem Auto gerade auf der Rampe, als das Schiff aus ungeklärten Gründen plötzlich einen Satz nach vorne machte und sich zwischen Rampe und Hafenmauer ein Spalt von zehn Metern auftat. Das Paar konnte nicht mehr bremsen, stürzte ins Hafenbecken und ertrank in seinem Auto.)

Um 12 klingelt wieder der Wecker, drei Stunden müssen reichen, schließlich wollen wir noch etwas von der Fahrt mitbekommen. Die Fähre bietet nichts spektakuläres, außer den üblichen Verlustigungs- und Nahrungsangeboten zu Mondpreisen. Der Kaffee hingegen ist erschreckend günstig und dafür auch noch sehr lecker. Ich konsumiere ihn ausgiebig an Deck, stecke die Nase in den Wind und schaue so lange vorbeirauschenden Inseln, Schiffen und bunten Quallen zu, bis das Cap Corse und schließlich unser Zielhafen Bastia in Sicht kommen. Beim Beobachten des Anlegens fällt uns ein, dass wir ja noch die Sachen in der Kabine holen müssen. Schnell hetzen wir hin und finden sie bereits für die nächsten Gäste „gemacht“ vor. Ich vermute stark, dass die Laken nur glatt gezogen wurden ;-) Das Ausschiffen ist wieder abenteuerlich und nun liegen noch anderthalb Stunden bis zu unserem Ziel Calvi vor uns, die wir über Schnellstraßen quer über die Insel zurücklegen. Wir machen erste Begegnungen mit der schönen Landschaft bei strahlendem Sonnenschein und dem autofahrenden Korsen an sich (siehe Einschub HIER). Um 16 Uhr erreichen wir Calvi und unsere Ferienanlage „Les Résidences Pinéa“. Nach der Ankunft in unserer Wohnung (siehe Einschub HIER) und dem Auspacken der Klamotten wird erst einmal der Strand gecheckt. Endlich ab ins Mittelmeer, meine Lieblingsbadewanne! Zwischen Wasser und Lufttemperatur ist kaum ein Unterschied festzustellen. Beim Schnorcheln an den Wellenbrechern beobachten wir ein paar Fische und sind jetzt schon begeistert. Wenn wir wüssten! Man muss dazu sagen: Die Schnorchel/Taucherfahrung ist bei uns beiden gleich Null. Unsere „Ausrüstung“ entstammt der Spielzeugabteilung eines Kölner Supermarkts und kostete 9,50 EUR. Aber funktioniert! Nach einer Dusche geht es in das uns empfohlene Open-Air-Restaurant des nahen „Camping International“. Gute Empfehlung – lecker Grillteller. Und lecker Pietra, ein korsisches Bier, das mit Kastanienmehl gebraut wird. Hat Anklänge von Kölsch UND Pils mit einem interessanten, undefinierbarem Unterton. Aber das nur für die Bierkenner unter uns. Gegen Mitternacht fallen wir todmüde ins Bett.


Hafen von Genua im Sonnenaufgang

Gedichte auf der Kaimauer

Unsere Fähre

Schlaaafen!

Land in Sicht!
     


TAG 2, 13.09.10, MONTAG
Calvi
Sonnig, zwischenzeitlich kurz bedeckt, 25-27°C, windstill

Morgens werde ich mit einem schönen Geburtstagsfrühstück auf dem Balkon geweckt (Törtchäään!) Dazu blinkt das Meer so türkis durch die Pinien zu uns rauf, dass ein Vormittagsbad her muss. Natürlich nicht ohne Schnorchel. Wir sehen jede Menge verschiedene Fische und geben ihnen in Ermangelung jeglicher Kenntnisse Namen wie „Sandfresser“, „Aquariumfisch“ oder „Steinbeißerwelsdings“. Aber Seeigel erkennen wir, jahaa! Nach einer Siesta (nicht lachen, das ist hier so üblich, außerdem war die Fahrt sehr lang) spazieren wir über die Schienen der kleinen Strandeisenbahn, die die Strände und Orte der oberen Westküste verbindet, nach Calvi hinein. Am Hafen gönne ich mir erst einmal ein Geburtsags-Eis und bewundere die fettesten Yachten, die ich je gesehen habe. Hier pflegt anscheinend einiges an Geldadel anzulegen. Anschließend erklimmen wir die Zitadelle und ihre Gassen. Eine imposante alte Wehranlage mit einem kleinen sakralen Museum, einer Kathedrale, tollen Aussichten und alten Häusern. Auch die Ruinen des Geburtshauses von Christoph Columbus höchstpersönlich sind hier zu finden. Da muss man aber nicht so viel drauf geben, denn es existieren ganze fünf Städte in Europa, die den Titel „Columbus Geburtsstadt“ für sich beanspruchen. Immerhin, mit Genua und Calvi waren wir innerhalb von zwei Tagen in zwei von ihnen. Die beiden Hauptstraßen von Calvi präsentieren sich sehr mediterran, also sehr wuselig, chaotisch, teilweise leicht abgerockt aber gerade deswegen sympathisch. Natürlich fehlen auch die üblichen Tourigeschäfte nicht. Dafür hält sich das Verhältnis von Einheimischen und Touris unserer Meinung nach die Waage. Nach etwa drei Stunden schlendern wir über den Strand zurück zur Wohnung und sehen mächtige Wolken, die sich über den Bergen rund um Calvi zusammenbrauen. Nach einem weiteren kurzen Nickerchen (die Fahrt, die Fahrt) beobachte ich vom Balkon aus ein krasses Gewitter, dass nur rund um die Berggipfel stattfindet. Über mir ist der Himmel sternenklar. Ein paar Versuche, die Gewitterstimmung im Foto festzuhalten scheitern ziemlich kläglich. Abendessen wieder im Campingrestaurant mit Blitz, Donner und Sternenhimmel bei 20 Grad. Zur Feier des Tages gönnen wir uns ein Menu und lernen neben korsischem Wein und Pietra-Bier auch den Jägermeister der Insel kennen – das „Eau de Vie“ („Wasser des Lebens“). Lecker, macht aber trotzdem müde. Wieder relativ früh, dafür leicht angebrütet, wanken wir in die Heia.


Zitadellenszenen in Calvi

Zitadellenszenen in Calvi

Zitadellenszenen in Calvi

Blick von der Zitadelle auf Calvi

Sante Marie Majeure in Calvi

Calvi Hafen

Calvi Zitadelle (HDR Foto)

Gewitter über den Bergen


UNSERE UNTERKUNFT

Kurz ein paar Worte zu Calvi und unserer Unterkunft, denn wir haben lange im Internet nach dem perfekten Reiseziel auf Korsika gesucht. Calvi ist ein sehr guter Ausgangsort für Touren mit dem Auto. Ohne fahrbaren Untersatz wäre es uns nach ein paar Tagen langweilig geworden. Wer aber auf reinen Strandurlaub steht, braucht in Calvi nicht unbedingt einen Wagen. Die Stadt wird von Air Berlin direkt von Köln aus angeflogen, allerdings nur Samstags (Stand September 2010). Der kleine Flughafen ist nur fünf Autominuten von der Stadt entfernt und bietet zahlreiche Autovermieter. Übrigens keine Angst, es gibt kaum bis keinen Fluglärm, denn es ist ein wirklich kleiner Flughafen. Unsere Appartement-Anlage nennt sich „Les Résidences Pinéa“ und besteht aus drei Häusern, in denen die Wohnungen vornehmlich Deutschen gehören, die sie wiederum vermieten. Appartements in dieser Anlage werden von mehreren Anbietern vermittelt, wir haben bei Pinea Reisen gebucht und waren zufrieden. Ich kann hier nur von unserer Wohnung sprechen, die anderen sind wohl ähnlich eingerichtet, aber das kann jeder Besitzer ja halten wie er möchte. Wir hatten eine kleine Küchenzeile, zwei Einzelbetten (die man problemlos zusammenschieben konnte), ein kleines Duschbad und ein durchaus geräumiges Wohn/Esszimmer mit Schlafsofa und Sat-TV. Die Essecke haben wir allerdings nie genutzt, da jede Mahlzeit natürlich auf dem Balkon genossen wurde. Der Fernseher bot ein paar deutsche Programme, für die Nachrichten ab und zu reichte es allemal. Und wer will bei einem solchen Blick schon Fernsehen gucken? Sauber war es, die Einrichtung war nicht mehr die jüngste aber zweckmäßig. Direkt von der Anlage aus führt ein Sandweg durch ein kleines Pinienwäldchen in 100 Metern zum Strand. Der Strand bzw. die Bucht von Calvi sind ohne Frage herrlisch! Links die Sicht auf die Stadt mit ihrer Zitadelle, rechts der Blick auf die Berggipfel. Dazu feinster, sauberer Sand und glasklares Wasser, dass nur sehr langsam tiefer wird.

Noch ein paar Tipps zur Residence Pinéa:
Wer gerne aufs Meer sehen möchte, sollte auf eine Wohnung in den oberen Etagen Wert legen, und das am besten in Haus 3 (in dem wir wohnten). Die Infrastruktur rundherum ist toll. Bäcker und Waschsalon sind gleich an der Anlage, ein großer Supermarkt und eine Tanke 500 Meter entfernt. Von den zahlreichen Restaurants wie dem bereits erwähnten Camping International ganz zu schweigen. Vor der Anlage gibt es eine Rezeption, die täglich morgens und abends geöffnet ist. Die vor vielen Jahren aus Deutschland nach Korsika übergesiedelte Petra führt dort die Geschäfte und ist immer für einen Tipp, eine Auskunft oder sonstige Hilfe zu haben, bucht auch Ausflüge etc. Und noch etwas: Pinéa wurde ursprünglich von einem christlichen Missionswerk aufgebaut. Heute gibt es immer noch viele christliche Veranstaltungen dort wie tägliche Andachten, etc. pp. Dies nur als Anmerkung für Urlauber, die sich wie wir nicht unbedingt als praktizierende Christen bezeichnen: Man wird bei der Ankunft zu allen Veranstaltungen herzlich eingeladen, aber das war's auch schon. Wenn man kein Interesse hat, hört und sieht man so gut wie nichts (außer morgens vielleicht mal ein fernes Kirchenlied beim Baguette holen) und hat seine absolute Ruhe, so wie in jeder anderen Ferienwohnung auch.


Rezeption Pinéa

Blick auf Haus 3

Unsere Wohnung (Mitte 2.v.r.)

Balkon

Blick vom Balkon (PANORAMA)

Weg zum Strand

Blick vom Strand links (PANORAMA)

Blick vom Strand rechts (PANORAMA)


TAG 3, 14.09.10, DIENSTAG
Balagne (Pigna), I'lle Rousse
Sonnig, leicht bewölkt, etwas Wind, 27°C

Noch etwas lädiert vom Vorabend haben wir länger geschlafen und brechen erst gegen Mittag in das „Balagne“ genannte Hinterland von Calvi auf. In der bergigen Region gibt es ersten Feindkontakt mit den kleinen „D“-Straßen, die mir noch sehr gut aus dem letztjährigen Südfrankreich-Urlaub in Erinnerung sind. Allerdings waren wir damals ja mit einem Wohnmobil unterwegs, wird also schon nicht so schlimm sein hier. Denkste. Die Sträßchen sind oft nur breit genug für ein bis anderthalb Autos und winden sich wie eine endlose Darmschlinge. Addiert man hierzu korsische Autofahrer … aber dazu wie gesagt später mehr (oder jetzt schon HIER).
Nicht weit von Calvi entfernt liegt der Ort Lumio. Dort wohnt im übrigen der Vater von Model und Schauspielerin Laetitia Casta, die somit auch einige Zeit ihres Lebens in dem Ort verbracht hat bzw. verbringt. Aber auf die gute Laetitia komme ich später nochmal zu sprechen. Ab Lumio folgen wir der D71 und biegen hinter Cateri ab auf die D151 in Richtung Pigna, einem „Künstlerdorf“ in den Bergen. Zwischendurch bieten sich auf der Fahrt immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die Welt aus Bergen und Meer. Allerdings meistens für die Beifahrerin, weil man sich als Fahrer höllisch konzentrieren muss. Wir machen dennoch einige skurrile Entdeckungen am Straßenrand. Da kann einem auch schon mal der halb verweste borstige Anzug eines geschlachteten Wildschweins begegnen, der einen über einem Zaun direkt an der Straße hängend angrinst. Auch interessant: Manche Dorffriedhöfe in den Höhendörfern scheinen zu klein geworden zu sein. Denn direkt gegenüber von Gottesäckern, oder auch einfach mal so hin und wieder an der Straße, finden sich Gräber bzw. kleine Gruften am Rand. Wie wir später lernen, dürfen die Korsen ihre Toten dort beerdigen, wo sie möchten, wenn es ihr Grund und Boden ist. Für die Hinterbliebenen sicherlich komfortabel in der Pflege weil gut erreichbar und die Toten haben meist eine tolle Aussicht. Pigna präsentiert sich als sehr pittoreskes, urtümliches Bergdorf mit leichtem Hippie-Charme und ähnelt einer Stein gewordenen Kommune. An jeder Ecke der verwinkelten Gassen gibt es Menschen, die entweder Nippes, als Kunst deklarierten Nippes oder wirkliche Kunst an und in ihren Häusern verkaufen. Beim Auf- und Ab durch die Sträßchen entdecken wir das „A Casarella“ Café. Die „Terrasse“, mit selbst bemalten Lampions verziert und aus einfachem Holzknüppeln gebaut, bietet einen unvergleichlichen Ausblick und ist das (viele) Geld für den selbstgebackenen Kuchen und den leckeren Cafe des Etablissements mehr als wert. Nach etwa einer Stunde Bummeln brechen wir auf und fahren zurück an die Küste nach L'ile Rousse. Hier bietet sich ein ähnlicher Anblick wie in Calvi, allerdings geht es hier etwas ruhiger zur Sache. Das Städtchen wird laut Reiseführer sehr gerne von deutsche Touristen frequentiert und soll der wärmste und sonnigste Flecken Korsikas im Jahresmittel sein. Highlight ist nicht die touristisch geprägte Innenstadt, sondern die Île de la Pietra links neben dem Fährhafen. Dort sehen wir unseren ersten alleine vor sich hinstehenden Genueserturm. Die alten Beobachtungs- und Wehrtürme aus der Herrschaft Genuas über Korsika (1300-1755) prägten einst das Bild der gesamten Küste und wurden immer in Sichtweite des nächsten erbaut. Heute stehen noch über 60 davon. Die sanft ansteigende Halbinsel hat aber nicht nur einen Genueserturm zu bieten. Ganz oben auf der Spitze thront ein kleiner Leuchtturm und generell ist diese Halbinsel gerade im orangen Licht des frühen Abends eine Augenweide, da die Felsen rot leuchten. Auf der Halbinsel nehmen wir noch unseren ersten korsischen Geocache mit. Zurück in Calvi jagen wir einige Vorräte im Supermarkt und gönnen uns noch ein „Sonnenuntergangsbad“ im Meer. Der leichte Wind genügt schon, um ansehnliche Wellen zu produzieren. An den Vortagen war es spiegelglatt und heute rauscht die Brandung amtlich an den Strand. Lecker Grillen auf dem Balkon schließt den Tag ab.


A Casarella Cafe

Tür in Pigna

Kunst und Schaf (Pigna)

Straßenrand-Gruften

I'lle Rousse

I'lle Rousse

I'lle Rousse

I'lle Rousse (PANORAMA)


TAG 4, 15.09.10, MITTWOCH
Galéria, Fango-Tal
Sonnig, 28°C, kaum Wind

Nach dem Frühstück satteln wir auf, denn heute steht eine Fahrt in den Süden an. Es soll über Galéria ins Tal des Flusses Fango gehen. Zwei Strecken stehen zur Verfügung: Die D81 am Flughafen Calvis oder die D81b an der Zitadelle des Ortes vorbei. Beide Strecken sind etwa 40 Kilometer lang, dauern aber eine halbe Stunde (D81) oder über eine Stunde (D81b). Eine Strecke (wir wählen hierfür die Hinfahrt) sollte auf jeden Fall über die langsame D81b gehen. Zum einen kommt man so etwa vier Kilometer hinter Calvis Innenstadt an der Auffahrt zur „Notre Dame de la Serra“ vorbei, einer größeren Kapelle mit der namensgebenden Madonna auf einem Fels nebenan. Sehr schön anzusehen und außerdem hat man dort oben eine herrliche Aussicht über die gesamte Bucht von Calvi. Nachdem wir hier oben noch einen Geocache absolviert haben, biegen wir wieder auf die D81b, die unmittelbar nach der Abzweigung zur Kapelle in Serpetinen galore mündet. Die Strasse ist teilweise wieder nur breit genug für ein großes Auto und alle 50-200 Meter zwingen scharfe Kurven zum langsam fahren. Das ist aber genau der Grund, warum man diese Küstenstraße unbedingt entlang rollen sollte. Herrliche Blicke auf Klippen, Buchten und die umliegenden Berge werden geboten – selbst für den Fahrer. Hier auf Korsika erleben wir Blautöne in einer Vielfalt, wie wir sie bisher nicht gekannt haben. Diese Straße gilt laut diversen Tipps als eine der schönsten in Korsika und das tut sie nicht umsonst. Immer wieder parken wir in den zum Glück zahlreich vorhanden Haltebuchten, genießen die Aussicht und fotografieren. Gut, manchmal hängen auch mal zwei tote Füchse über eine Brücke oder es gibt eine wilde Müllkippe oder einen Schießstand des Militärs zu sehen. Aber was ist schon perfekt. Im Tal des Fangos angekommen treffen die beiden D81 wieder aufeinander und eine Brücke führt über den Fango. Aber wo isser denn? Nur Steine sind zu sehen, kein Wasser. Fließt der etwa im Sommer nicht? Wir folgen der Straße, die am Flussufer entlang in Richtung Tuarelli führt. Plötzlich kommt an einem Parkplatz die alte, von den Genuesern erbaute Ponte Vecchio in Sicht. Und nu guck, drunter fließ grün und blau schimmernd der Fango. Wie kann sich ein Fluss nur wenige Kilometer vorher so verstecken? Na ja, wahrscheinlich sieht das bei der Schneeschmelze im Frühjahr anders aus hier. Wir folgen dem Beispiel von ein paar wenigen anderen Menschen, werfen uns in die Bademoden und hüpfen in die Gumpen. So nennt man tiefe Stellen im Fluss, die durch Strudel des Wassers in den Fels gefräst wurden. Haben wir wieder etwas gelernt. Das Wasser hat etwa 23-25°C, ist also so warm wie das Meer und glasklar. Klar wird auch hier geschnorchelt und wir entdecken tatsächlich ein paar Bewohner. Nachdem wir uns an den von der Sonne aufgeheizten Felsen wieder getrocknet haben machen wir uns auf nach Galéria, wo der Fango ins Meer mündet. Aber auch hier versteckt er sich auf den letzten Metern wieder. Unmittelbar, bevor er eigentlich mit der Brandung verschmelzen müsste, versandet der gute Fango. Das Panorama dieses Strands ist trotzdem fast unwirklich. Rechts der leicht angestaute Süßwasserfluss, auf dem Kanus unterwegs sind und links die Brandung des Meers. Dazwischen nur ein Kiesstrand. Wer will, könnte zwischen Süß- und Salzwasserbaden switchen. Wir bleiben länger hier, hier isses schön. Natürlich holen wie uns einen kleinen Sonnenbrand. Abends nochmal grillen, inklusive Sternschnuppen.


Notre Dame de la Serra

Notre Dame de la Serra

Blick auf die Calvi-Bucht (PANORAMA)

Bucht an der D81b

Fango

Fango Tal

Badegumpe

Fango Delta (PANORAMA)


TAG 5, 16.09.10, DONNERSTAG
Occi, Calvi
Sonnig, 32°C, kein bis kräftiger Wind (in den Bergen)

Wieder Sonne, wieder Balkonfrühstück mit frischen französischen Backwaren, wieder mit Blick auf türkisblaues Mittelmeer. Herr-lisch! Heute lassen wir es ruhig angehen und brechen erst Mittags auf. Das Ziel: Occi, ein verlassene Bergdorf, dessen letzter Bewohner dort 1918 starb. Vom Parkplatz des Hotels „Chez Charles“ im Nachbarort Lumio aus starten wir auf dem ausgeschilderten Wanderweg. Der führt von Anfang bis Ende auf steinigen Trampelpfaden zwischen Felsen steil bis sehr steil nach oben. Genau die richtige Aktivität bei brütender Hitze zur Mittagszeit. Immerhin weht uns, je höher wir kommen, der Wind kräftig um die Nase. Bei den „WiederzurPustekommen“-Stopps gibt es zur Belohnung einen 360°-Rundumblick über die Bucht von Calvi und das Gebirge ringsum. Die Erdkrümmung lässt sich sehr gut am Horizont erkennen. Nach 20-30 Minuten kommen wir oben an und streifen durch das verlassene und größtenteils nur noch aus Ruinen bestehenden Dörfchen. Einzig die Kapelle in der Mitte wurde wieder instandgesetzt, wie wir später erfahren haben aus privaten Mitteln von Laetitia Casta. Ob sie noch Nachfahren ehemaliger Occi-Bewohner in der Verwandtschaft hat, wissen wir nicht. In jedem Fall aber gibt es heute noch Menschen in der näheren Umgebung, die durch Erbschaft die rechtmäßigen Besitzer der Steinruinen sind. Eine gute Stunde halten wir uns dort oben auf, erkunden jeden Winkel und entdecken immer Neues, wenn es auch „nur“ einige Echsen, Bergziegen, uralte Feigen- und Olivenbäume oder frei wachsende Küchenkräuter wie Rosmarin sind. Und wir nehmen natürlich noch einen Geocache mit. Der Abstieg ist ähnlich mühsam wie der Aufstieg, nur nicht so schweißtreibend. Nachdem wir uns in Calvis „Casino“-Supermarkt mit den nötigen Vorräten versorgt haben, (Pietra, Eau de Vie, etc.), geht's an unseren Hausstrand für einen entspannten Nachmittag am Meer. Übrigens: Wer je in Calvi zum Einkauf unterwegs sein sollte – nie „Super U“, immer „Casino“ - die haben ein besseres Sortiment und frischere Ware. Im Meer habe ich dann beim Schnorcheln noch eine Begegnung der dritten Art. Etwas weiter draußen sehe ich plötzlich einen Schwarm von kleinen, in der Sonne silbern glänzender Fische vor mir, der immer wieder wie in Wellen aus dem Wasser auf- und wieder abtaucht. Das sieht Über- wie Unterwasser einfach krass aus. Plötzlich befinde ich mich inmitten dieses Schwarms aus hunderten Fischen, die sich nicht wirklich an mir zu stören scheinen. Notiz an mich selbst für den nächsten Korsika-Urlaub: Unterwassergehäuse für meine Kamera kaufen. Der Abend klingt bei Wagenrad-Pizza im Camping-Restaurant gegenüber und einem Bier auf dem Balkon aus (na gut, zwei).


Occi (PANORAMA)

Occi Kirche

Occi

Am Ende der Welt

Von den Kameraden gibt's unzählige



AUTOFAHREN AUF KORSIKA

Schon einer unserer Reiseführer widmete diesem Thema ein eigenes Kapitel. Als Glosse getarnt, habe ich darüber geschmunzelt und es nicht sooo ernst genommen. Die Franzosen fahren nun mal eben ein bisschen wilder, kennt man ja. Aber nix da, hier fahren keine Franzosen – hier fahren Korsen! Gepaart mit ortsunkundigen Touris wie uns und vielen anderen eine Mischung, die einiges an Abenteuer bietet. Dass die Korsen ein ganz eigenes Volk darstellen merkt man nirgendwo so gut wie auf der Straße. Ihre ansonsten mediterrane Lässigkeit scheinen sie auf Teer und Beton ausgleichen zu wollen. Und sie besitzen eine gehörige Portion Gottvertrauen im Straßenverkehr. Unglaublicherweise haben wir jedoch nur einen Unfall gesehen. Betrachtet man die anderen Autos aber genauer, fällt auf, dass bis auf die ganz neuen Neuwagen fast keines ohne irgendeine Beule daherkommt. Oft sieht man (gerade bei Jeeps in den Dörfern) Karren, die nur noch vom Rost zusammengehalten werden.
An die hier schon angesprochenen kleinen Straßen hat man sich relativ schnell gewöhnt. Es gibt nur ganz wenige Schnellstraßen („N“-Nationalstraßen), Autobahnen hat Korsika überhaupt nicht zu bieten. Die Insel ist zweimal Top in der Verkehrsstatistik Frankreichs gemessen an der Einwohnerzahl. Zum einen fahren wegen des schlechten ÖPNVs dort die meisten Autos (auf zehn Korsen kommen sieben PKWs), zum anderen sind auf Korsika die meisten Verkehrstoten zu beklagen.
Aber wenn man die unten aufgezählten Verhaltensweisen beherzigt, fährt man auf jeden Fall entspannt und so sicher wie möglich. Niemand braucht wegen des Autoverkehrs auf die Insel zu verzichten, wenn dies hier alles vielleicht auch etwas heftig klingt.

Empfehlenswerte Verhaltensweisen für (neue) Korsika-Urlauber
(Durchaus ernst gemeint)

1. Immer das Nummernschild des Autos hinter sich im Auge behalten. Lautet das Departement auf dem Kennzeichen „2A“ oder „2B“ sind es Korsen. Das bedeutet für einen selbst: Auf großen Straßen so weit rechts fahren wie möglich und auf kleinen Straßen kurz die nächste Haltebucht ansteuern und überholen lassen.
2. Generell gilt: immer überholen lassen, nie wehren und sich und den anderen nicht ärgern. Also zum Beispiel nie auf die Bremse tippen, weil der Hintermann zu dicht aufschließt. An der Stoßstange des vorausfahrenden kleben ist für Korsen normal. Einfach passieren lassen und den Überholvorgang des Hintermannes (und das Geschehen danach) als Live-Action-Kino sehen (und dabei Abstand halten!)
3. Außerhalb der Ortschaften sind fast überall 90 km/h erlaubt. Nie anstreben, diese Geschwindigkeit auch zu erreichen. Immer maximal mit der Hälfte rechnen, meist mit weniger (wichtig auch bei der Tourenplanung).
4. Jede uneinsichtige Kurve ernst nehmen und nie anschneiden, denn hinter jeder kann so Einiges lauern, zum Beispiel ein Korse (der sie selbstverständlich anschneidet), ein Pulk Motorräder, lebensmüde Rennradfahrer (meist Ü50 und in Profitrikots), sorglose Spaziergänger (Fußwege gibt’s keine), ein Reisebus, frisch herbgefallene Felsbrocken oder natürlich Kühe, Ziegen, Wildschweine oder Hunde.
5. Fast jede Kurve ist heftig. Nicht auf Schilder verlassen, die eine scharfe Kurve kennzeichnen. Die gibt es nicht, ebenso wenig wie Leitplanken oder ähnliches. Nur manchmal werden 180° oder 360°-Kurven gekennzeichnet. Ganz manchmal.
6. So schön die Landschaft auch ist: immer die Straße im Blick behalten, denn je nach Höhenlage wird man ansonsten schnell ein fest verbundener Teil mit dieser Landschaft. Wer die Augen offen hält sieht einige Wracks in Böschungen und tief unten an Felsen.
7. Es gibt auch Knipskisten! In den Sommermonaten sollen zudem verstärkt mobile Kontrollen stattfinden. Wir haben nur eine gesehen. Normalerweise warnen entgegenkommende Verkehrsteilnehmer wie oft auch in Deutschland mit Lichthupe vor Polizeipräsenz an der Straße.
8. Man wird öfters angehupt. Die eigene Hupe am besten gar nicht benutzen, es bringt ohnehin nichts. Das gleiche gilt natürlich auch für die üblichen Handzeichen. An roten (Baustellen)-Ampeln, gerade außerhalb von Ortschaften, immer stehen bleiben und nicht dem Beispiel der vorausfahrenden Korsen folgen.


"2A" oder "2B" im Rückspiegel?
Rechts ranfahren!

Eigene Farbahnspuren für Fahrer&Beifahrer

"Wilde" Kühe an der Straße -
Man gewöhnt sich dran

Der Eindruck täuscht - Diese Straße ist noch komfortabel zu fahren!


TAG 6, 17.09.10, FREITAG
Saint-Florent, Plage de Peraiola
Bedeckt, 27°C, kaum Wind

Man kann ja nicht immer Wetterglück haben – Schon während des Frühstücks zieht sich der Himmel langsam zu und zeigt sich bald bedeckt mit nur wenigen Wolkenlücken. Immerhin regnet es nicht, und das sollte dann auch den ganzen Tag so bleiben. Warm ist es auf jeden Fall und so ist die Klimaanlage gefragt, als es in das 80 Kilometer entfernte Saint-Florent geht. Etwa die Hälfte der Strecke wird über eine D-Straße bewältigt und somit dauert die Fahrt gute anderthalb Stunden. Die D81 schlängelt sich durch das wilde Désert des Agriates. Landschaftlich hat diese Region nicht umsonst den Namen Désert, denn hier ist es nahezu unbewohnt und karstig. Zudem herrscht hier, wie fast überall, die Macchia und verbreitet ihren würzigen Maggi-Duft. Macchia und Maggi haben übrigens nichts miteinander zu tun, auch wenn Name und Geruch dies Glauben machen. Kaum zu fassen, dass in diesem Gebiet hier einmal die „Kornkammer“ Korsikas gewesen sein soll. In Saint-Florent angekommen, dass unser Reiseführer vollmundig als das „Saint Tropez Korsikas“ beschreibt, fahren wir erst einmal zur Kathedrale Santa Maria Assunta am Ortsrand. Die öffnet aber erst 45 Minuten später, blöd. Also zum Hafen. Er präsentiert sich als relativ unspektakulär voller Jachten und ohne Strand. Davor eine touristisch geprägte Straße und dahinter eine kleine Altstadt, wie sie hier nichts besonderes ist. Ein Kastanieneis in der (nicht ganz zu unrecht) vom Reiseführer hochgelobten Eisdiele „Salge & Fils“ später düsen wir wieder zur Kathedrale aus dem Jahr 1140. Nach einem Euro Eintritt entdecken wir zunächst den mumifizierten Leichnam des heiligen Florus in seinem gläsernen Schrein. Zu seiner Geschichte finden wir vor Ort und später widersprüchliche Angaben. Einig ist man sich meistens, dass Florus oder auch Florian als römischer Soldat im 3. Jahrhundert n.Ch. zum Christentum konvertierte, was ihm den Märtyrertod einbrachte. Danach gehen die Geschichten auseinander. Uns gefällt am besten die, dass einige Christen auf Korsika auch endlich eine Reliquie haben wollten und der damalige Papst sich daraufhin an diesen Soldaten erinnerte, ihn schnell heilig sprach und ausbuddeln ließ, um ihn aus der Nähe von Rom nach Korsika zu überführen. In jedem Fall gilt die alte Lederhaut seitdem als Schutzpatron von Saint-Florent, wird dementsprechend verehrt und einmal im Jahr in seinem Dornröschensarg in einer Prozession durch die Stadt getragen. Neben Florian gibt es ein paar unglaublich hässliche Putten und einen schwarzen Jesus zu sehen. Auf dem Weg zurück in die Innenstadt mache ich einem mir entgegenkommenden Wohnmobil in der engen Straße Platz, in dem ich so weit wie möglich nach rechts fahre und lande prompt in einem Schlagloch von der gefühlten Größe eines Gullys. Es kracht und knarzt ganz ekelhaft, auch beim herausfahren. Ein kurzer Check zeigt aber keinerlei Beschädigungen am Auto. Nochmal Glück gehabt. Schnell raus aus Saint Florent, außer komischen Mumien gibt’s hier nicht viel. Ab zur Plage de Peraiola, wo der Fluss Ostricioni ins Mittelmeer mündet. Wie schon beim Fango-Delta vor einigen Tagen versandet auch der Ostriccioni kurz vor der Brandung. Wie das wohl in Zeiten der Schneeschmelze aussieht? Der Ort gilt offiziell als „Grand site Pittoresque“ und ist genau das. Wunderschön. Hier bekommt man alles das, was Korsika in unseren Augen ausmacht auf einen Blick geboten – Meer, Strand, Flüsse, das Grün der Macchia, der Bäume und der anderen Pflanzen sowie das grau und braun der umliegenden Berge. Nach langer Kurverei wieder in Calvi angekommen, zieht es mich in der Dämmerung noch schnell an den Hausstrand. „Kein Tag ohne Schwimmen“ ist schließlich mein offizielles Urlaubsmotto. Kein Tag ohne Kastanienbier mein inoffizielles, das gibt es dann zu Tortellini mit einer „Allesausdemkühlschrank“-Soße. Später gehen wir noch einmal an den Strand und ich mache ein paar Nachtaufnahmen.


Die Agriaten Wüste

Feigenkaktus ("Unkraut" Korsikas)

Santa Maria Assunta

Hässliche Putten

Der trockene Flori

Ostriccioni-Delta (PANORAMA)

Calvis Zitadelle bei Nacht (HDR-Foto)

Orientalische Nächte in Calvi

Neulich nachts, am Leuchtstrand


TAG 7, 18.09.10, SAMSTAG
Porto
Sonnig/Bedeckt/Schauer, 27°C, kaum Wind

Vormittags lacht wieder ein blauer Himmel mit ein paar Wölkchen und es ist warm. Daher fassen wir den Entschluss, heute die Bucht von Porto und die nahen Felsformationen der Calanches in Angriff zu nehmen. Immerhin beides offizielle UNESCO-Weltkulturerbestätten. Die Hinfahrt geht über die schnelle Variante der D81 von Calvi aus los, die ab dem Fango-Tal wieder sehr kurvenreich wird. Schon jetzt zieht sich der Himmel immer mehr zu. Unter der Wolkendecke ist es schwül, die Fahrt zieht sich endlos. Das Navi versprach eine Stunde Gesamtfahrzeit. Das der kleine Helfer von der tatsächlich erlaubten Geschwindigkeit von 90 km/h ausgeht, kapiere ich natürlich erst auf der Fahrt. Realistisch erreichen wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 35 km/h. Die Straße ist teilweise sehr eng, geht oft ganz nahe am Berg oder ganz nahe an Abhängen vorbei, und hat alle 50 Meter eine 90-180° Kurve und teilweise Steinschlag auf der Straße zu bieten. Nicht zu vergessen die Kühe. Das fängt schon mit einem halb verwesten Exemplar am Straßenrand kurz hinter dem Fango an. Ab dort sollten uns noch etwa zwanzig „wilde“ Kühe auf und neben der Straßen (vornehmlich direkt hinter Haarnadelkurven) im Atem halten. Wir erklären diesen Tag zum „Tag der Kuh“. Die Aussichten, die sich während der Fahrt bieten, sind wirklich toll. Dennoch zieht sich die nicht enden wollende Kurvenstrecke wie Kaugummi. Nach zwei Stunden Fahrtzeit kommt Porto langsam in Sicht, ist aber immer noch längst nicht erreicht, geschweige denn die zehn Kilometer dahinter liegenden Calanches. Zudem fängt es auch noch immer mehr an zu regnen. An einer besonders engen Stelle gibt mir ein entgegenkommender Reisebus den Rest. Schwitzend setze ich viele hundert Meter zurück, immer mit der Angst, das jemand von hinten auf uns drauf knallt. Erinnerungen an eine ähnliche Situation in Südfrankreich letztes Jahr werden wach (siehe Reisebericht von 2009). Es reicht mir. Wir müssen uns eingestehen, dass wir zu spät losgefahren sind, dem Wetter zu sehr getraut und zuallererst die Strecke stark unterschätzt haben. Ein kurzes überschlagen der Zeit zeigt, dass es noch vier Stunden bis zum Sonnenuntergang und wir noch nicht einmal am Ziel sind, an dem wir eigentlich wandern wollten. Von der Rückfahrt ganz zu schweigen (im Dunkeln über diese Straße zurück? Neee …) Zerknirscht kehren wir um. Weitere zwei Stunden später zurück in Calvi verbuchen wir diesen Urlaubstag als gescheitert. Immerhin hatten wir ein paar tolle Ausblicke und eine abenteuerliche Fahrt. Und was hilft meist in so einer Situation? Genau - Essen! Also zu Fuß auf in die Innenstadt und und durch den abendlichen Rummel am Hafen geschlendert. Am Place Crudeli, direkt vor der barocken Kirche Sainte-Marie-Majeure, finden wir zwei gegenüberliegende Restaurants, die mit ihren Tischen jeweils die Hälfte des Kirchvorplatzes besetzt haben. Das Ambiente stimmt schon mal, auch die beiden ausgestellten Speisekarten sind ähnlich. Wir wollen unbedingt einmal „richtig“ korsisch essen und wählen das rechte der beiden Etablissements, „Chez Doume“. Das Essen war nicht wirklich schlecht, aber auch kein Highlight. Die Fischsuppe und das Wildschwein schmeckten ganz lecker. Der Preis von 19,- EUR für ein Menu war für korsische Verhältnisse OK und dafür dass es anfängt wie aus Kübeln zu regnen kann auch niemand etwas. Allerdings ist der Service leicht überfordert und sehr langsam. Außerdem scheinen die Menschen im Restaurant nebenan irgendwie fröhlicher und zufriedener. Es ist eben nicht unser Tag. Wir bummeln zurück in die Wohnung und nehmen noch ein paar Frust-Absacker auf dem Balkon. Der nächste Morgen kommt bestimmt.


"Alter, ich hab ne Kuh überfahren!"
"Laß liegen, tritt sich fest!"

Porto und seine Weltkulturerbe-Bucht -
Immerhin, wir haben sie gesehen

Das Wetter fand
den Tag auch doof


TAG 8, 19.09.10, SONNTAG
Balagne (Muro, Speloncato), Lumio
Sonnig, 24°C, windig

Warum in die Ferne schweifen... ? Nachdem et Sönnsche sich endlich wieder in voller Pracht zeigt, machen wir uns nach dem Ausschlafen und dem obligatorischen Balkon-Frühstück auf in das Hinterland von Calvi, die „Balagne“, der wir schon am dritten Tag einen kurzen Besuch abgestattet haben. Allerdings gibt es dort so viele kleine Dörfer, dass es jede Menge zu entdecken gibt. Ab Lumio wechseln wir auf die D71, die an vielen Dörfern vorbeiführt. Erstes Ziel soll Muro sein, wegen der dortigen Kirche, einem wichtigen Wallfahrtsort. Sie beherbergt ein Kruzifix, dessen Jesus im Jahr 1730 Blut geweint haben und in hellem Licht erstrahlt sein soll. Schon die Hinfahrt begeistert uns einmal mehr. Nur eine knappe Viertelstunde vom 5.500 Einwohner starken Calvi entfernt, was für korsische Verhältnisse schon eine größere Stadt bedeutet, tut sich ländliche Einsamkeit auf. Die kleine Straße schraubt sich die Höhenmeter hoch und gibt wieder einmal den Blick auf tolle Panoramen frei. Wir befinden uns auf einer Höhe mit auf dem Flugplatz von Calvi landenden Maschinen und schreienden Adlern. Hohe Zweitausender und kleinere Berge zieren die Landschaft bis hinunter zum Meer, immer wieder einmal unterbrochen durch kleine Dörfchen mit den charakteristischen Kirchtürmen. Kurz vor Muro liegt ein toter Fuchs an der Straße und ist für uns wie ein Vorbote für das, was wenige hundert Meter später folgen soll: Direkt am Straßenrand steht eine Gruppe Männer in Camouflage-Klamotten auf einer Wiese unter Olivenbäumen, an denen zwei frisch geschossene Wildschweine aufgehangen sind und weiden diese aus. Ich würde diese Szene gerne fotografieren, aber wir werden nicht gerade freundlich angeguckt, also gebe ich wieder mehr Gas. Muro selbst präsentiert sich als verschlafenes kleines Dorf in der Hitze der Sonntags-Mittagssonne. Fast muxmäuschenstill ist es hier, nur wenige Fremde scheinen sich den Autokennzeichen des einzigen Parkplatzes vor der Kirche nach zu urteilen heute hierher verirrt zu haben. Nur einmal wird die Stille kurz durch französische HipHop-Beats aus dem Handy zweier weiblicher Teens unterbrochen, die versuchen wie Lady Gaga auszusehen. Die Kirche ist sagenhaft und gruselig zugleich. Filmkulisse pur. Regisseure wie Joseph Vilsmaier würden sich die Hände reiben. Alles ist düster und total abgerockt. Zentimeterdicker Staub liegt auf den Figuren und all dem barockem Brimborium, mit dem das Gebäude vollkommen überladen ist. In den Putz eingeritzte „Graffitis“ aus den 1960 Jahren direkt am Eingang wurden seitdem nie übermalt, überall sind Wasserschäden und abplatzender Putz zu sehen. Vor dem besagten Kruzifix leuchtet ein Lichtfleck, der aus einer Luke im Dach hinab scheint und neben der Orgel stehen Schnapsflaschen. Sehr skurril, das alles. Wer hier aufgewachsen ist und in den Beichstuhl musste tut mir fast leid. Muro selbst ist ein typisches Balagne-Dorf mit Steinhäusern. Wir fragen uns, wann dieser Ort wohl ausgestorben sein wird. Während unseres Rundgangs treffen wir wieder auf eines der Teenie-Mädchen von vorhin und bekommen trotz unseres schlechten Französisch mit, wie es von seiner Mutter ermahnt wird, um acht Uhr zu Hause zu sein. Wir fahren weiter nach Speloncato, das schon von weitem zu sehen ist und wie ein Adlerhorst auf einer Bergspitze thront. Im Ort wird dieser Eindruck noch verstärkt. Wir sehen Häuser, die auf hohlen Fels gebaut wurden und wundern uns, wie stabil das wohl sein mag. Am höchsten Punkt des Dorfes liegt ein Felsen, den man erklettern kann und der eine unglaubliche Aussicht bietet. Für meine Begriffe die Schönste des Urlaubs. Dort oben beobachten wir eine Siamkatze beim Spielen mit Heuschrecken, brutzeln in der Sonne und essen frische Feigen vom Baum. Später besuchen wir noch die Kirche des Ortes mit der leicht gruseligen Krypta und trinken ein Käffchen in einem der beiden einzigen Cafés auf dem Dorfplatz. Dort wird der Sonntag-Nachmittagstreff der Dorfältesten abgehalten, um die jede Menge Kinder und Hunde herumlaufen. Postkartenidylle. Heute ist übrigens der „Tag des Hundes“ - Wir sahen keine einzige Kuh, dafür dutzende Hunde, die teilweise herrenlos mitten im Nirgendwo auf (!) der Straße lagen und pennten. Als wir wieder runter zum Meer fahren und an Muro vorbeikommen stehen „unsere“ Teens an der Straße und bewerfen unser Auto mit reifen Kirschen. Was soll man hier oben auch sonst machen? Kurz hinter dem Ortszentrum von Lumio in Richtung Calvi folgen wir noch einem Strand-Tipp der Rezeptionistin von Pinéa und biegen rechts ab, dem Schild zum Restaurant „Mata Hari“ folgend. Wir erreichen einen großen kostenlosen Parkplatz, an den sich das Restaurant anschließt, dessen Tische im Sand stehen. Nicht schlecht, leider hat es Abends geschlossen. Aber wir sind ja auch wegen dem Strand hier und der sieht ganz anders aus als unser Hausstrand, den man von hier in der Ferne sehen kann. Mehr Felsen, Klippen und Brandung, sehr viel gröberer Sand. Sehr, sehr schön ist es hier und wir beschließen wiederzukommen. Zuhause laufen wir beim letzten Sonnenrest des Tages noch schnell ins Meer und füttern die Fische mit ein paar Brotkrümeln aus der Hand. Selber füttern wir uns anschließend mit einer Pizza im „Stammlokal“ des Campingplatz-Restaurants.


Kaputte Heilige in Muro

Muros Kirche von außen

Speloncato

Speloncato: Ob das hält?

Gasse in Speloncato

Ausblick Speloncato (PANORAMA)

Unser Begleiter in Speloncato

Kirche Speloncato

Bunte Spinnweben

"Mata Hari" Strand

"Mata Hari" Strand

"Mata Hari" Strand



CORSE NOIR

„Schwarzes Korsika“ - OK, das ist vielleicht sehr dramatisiert, klingt aber so schön auf Französisch ;-) Um mich nicht ständig in den Tagesberichten zu wiederholen, möchte ich in diesem Einschub kurz auf den oft leicht maroden Charme der Insel eingehen, der uns so fasziniert hat. Korsika ist eben nicht die Hochglanz-Urlaubs-Idylle aus dem Reiseprospekt, sondern hat einen ganz eigenen Charakter. Wie stolz die Korsen an sich sind und auch welche Ereignisse in der Geschichte ihrer Insel dazu führten, kann man an anderer Stelle nachlesen. Dass sich auf der Insel, obwohl zu Frankreich gehörend, doch irgendwie noch ein eigenes Völkchen behauptet, kann man aber schon alleine bei Rundfahrten entdecken. Allgegenwärtig sind zum Beispiel Graffitis oder Plakate der Separatisten, die politisch nach wie vor sehr aktiv sind und um die Unabhängigkeit Korsikas kämpfen. Auch heute noch gibt es selten ein paar kleine Sprengstoffanschläge, die sich gegen touristische Unterkünfte richten, meist von Festlandfranzosen. Dabei wurden aber noch nie Menschen gefährdet. Auch die korsische Mafia ist wohl noch aktiv, so gab es in diesem Sommer (2010) noch Schießereien auf offener Straße im Süden. Aber keine Angst – Reisen nach Korsika ist sicher und es ist meines Wissens nach noch keiner der über zwei Millionen Besucher jährlich durch solche Fälle ums Leben gekommen.

Zurück zum „maroden Charme“, der Korsika so besonders und irgendwie auch authentisch macht. Hier wurden schon öfters tote Tiere am Straßenrand angesprochen. Ich habe in diesen zwei Wochen so viele Kadaver gesehen wie noch nie, und auch ich komme ursprünglich aus einer ländlichen Gegend mit Hausschlachtungen etc. Warum zum Beispiel Fuchs- oder Wildschweinkadaver am Straßenrand abgelegt werden, konnte man uns nicht Recht beantworten. Vielleicht zur Abschreckung für andere Räuber im Fall der Füchse, vielleicht als Trophäe im Fall der Wildschweine, wer weiß.
Auch über abgerockte Kirchen und andere Gebäude wurde hier schon berichtet. Es ist Wahnsinn, wie alt und teilweise sogar einsturzgefährdet manche Bauten wirken. Die Fotos sagen wahrscheinlich mehr als Worte. Einige Korsen scheinen auch nicht unbedingt sehr umweltbewusst zu sein. Mitten in den schönsten Landschaften sieht man immer einmal wieder Schrott, ob ganze Autos oder einfach nur kleine wilde Müllkippen. Autofahrern dürfte auch auffallen, dass nahezu jedes(!) Straßenschild mindestens einmal beschossen wurde, vorzugsweise mit Schrot. Das dürfte auf die französischen Ortsnamen zurückzuführen sein, die zudem oft durchgestrichen wurden. Inzwischen werden neue Ortsschilder auf französisch und korsisch aufgestellt, was den Beschuss derselben jedoch nicht zu stoppen scheint. Man könnte noch viele weitere Dinge anführen, zum Beispiel Pastete aus Singvögeln in der korsischen Spezialitätenecke des Supermarktes und andere Merkwürdigkeiten. Aber wollen wir es an dieser Stelle dabei belassen. Korsika ist eigen, was zwar nicht ausschließlich schön anzusehen ist (zum Beispiel im Fall wilder Müllkippen), die Insel aber höchst interessant macht. Wie sagte einer unserer gedruckten Reiseführer? Auf Korsika ist der Gast nicht König, sondern geduldet. Aber man sollte sich nicht ins Boxhorn jagen lassen: Wir haben uns sehr wohl gefühlt und sind nur freundlichen Menschen begegnet.


Ob Füchse ...

... Wildschweine ...

... mehr Füchse oder ...

... Wracks: viele Leichen an den Straßen

Ob Gabelstapler ...

... Oldtimer oder ...

... Schrottberge: Altmetall in Massen

Telefonzelle in Muro

Separatistische Polit-Parolen findet...

... man überall. An Müllcontainern ...

... oder sogar in Kirchen.

Verkehrsschilder haben es ...

... auf der gesamten Insel nicht leicht!


TAG 9, 20.09.10, MONTAG
Calvi, Lumio
Sonnig, 28°C, windstill

Ein toller Spätsommertag, uns ist heute nach mehr Meer. Erst wollen wir aber ein bisschen Schweiß lassen, damit sich die Abkühlung lohnt. Westlich von Calvi liegt die Halbinsel Revelata, die in drei Stunden hin und zurück bis zum Leuchtturm erwandert werden kann. Über Fußpfade quer durch die Macchia nehmen wir den Abstieg in Angriff. Nach einer halben Stunde kommen wir an einem Strand vorbei, der so auch in der Südsee zu finden sein könnte. Nach einer weiteren Viertelstunde bemerken wir, dass die Sonne trotz Vormittag doch schon ganz schön knallt, also ist eincremen angesagt. Blöderweise findet sich die Sonnenmilch nirgendwo im Rucksack, die haben wir wohl in der Wohnung vergessen. Also machen wir uns notgedrungen schon nach der Hälfte des Weges zurück bergauf und kürzen die Wanderung somit auf anderthalb statt drei Stunden ab. Trotzdem schweißgebadet und kurz vor dem Sonnenbrand erreichen wir das Auto. Zurück in der Unterkunft marinieren wir unsere Haut erst einmal in Lichtschutzfaktor 25. Dann schnappen wir uns die Taucherbrillen und Schnorchel (mittlerweile ist ein weiteres Exemplar aus dem hiesigen Supermarkt dazugekommen ;-)) und düsen zum „Mata Hari“-Strand bei Lumio, den wir gestern entdeckt haben. Die Riffe direkt am Ufer versprechen eine tolle Unterwasserwelt. Und wirklich – schon ab einem halben Meter Tiefe wuselt das Leben unter uns. Dutzende verschiedene Fischarten von ganz klein bis 30-40 Zentimeter lang, jede Menge Wasserpflanzen, Seeigel und andere Bewohner wie Quallen zeigen sich uns. Wir schnorcheln wie die blöden und sind ganz begeistert. Wie ich nachher zu Hause im Internet feststellte, sahen wir unter anderem Meerpfaue, die in allen Regenbogenfarben glitzern, und Drachenköpfe. Langsam macht sich die viele Sonne auch im Schädel bemerkbar. Wir beschließen, an den Hausstrand vor unserer Wohnung umzuziehen und uns dort in den Schatten zu legen. Es folgt ein entspannter Nachmittag am Meer mit ein paar Planschgängen und allem, was dazugehört. Als die Sonne langsam verschwindet gehen wir Duschen und nach kurzem Einkauf in die Stadt zum Essen. Als wir in Calvi-City ankommen bemerke ich, dass die blaue Stunde eingesetzt hat. Die Gelegenheit wird gleich mal für ein paar Fotos genutzt. Die Restaurantsuche führt uns wie an Tag 7 wieder zum Place de Crudeli an der Kirche. Dieses mal wählen wir aber mit dem „St. Maria“ das andere Restaurant. Hier ist tatsächlich alles irgendwie feiner, geht schneller und schmeckt vor allem leckerer. Dabei ist der Preis für ein Menu derselbe wie im „Chez Doume“. Kein Wunder, dass die Leute hier vorgestern fröhlicher wirkten. Nach einem unglaublich leckeren Wildschweinragout bekommen wir zum Dessert ein Stück Schokoladenkuchen, dass uns total umhaut. Selten so etwas gutes (und mächtiges) gegessen. Vollkommen fertig rollen wir und nach Hause und gehen nach ein paar reinigenden Eau de Vie auf dem Balkon schnell ins Bett.


Halbinsel Revelata bei Calvi

Halbinsel Revelata bei Calvi

Revelata PANORAMA

Abendstimmung in Calvi

Abendstimmung in Calvi

Abendstimmung in Calvi

Abendstimmung in Calvi

Abendstimmung in Calvi

Abendstimmung in Calvi

Abendstimmung in Calvi


TAG 10, 21.09.10, DIENSTAG
Cap Corse
Bedeckt, 26°C, windstill

Cap Corse – die Halbinsel bildet den Daumen der faustähnlichen Form Korsikas und begrenzt die Insel im Norden. Das Cap ist nur 10 Kilometer breit und 40 Kilometer lang. Eine komplette Umrundung vom West- bis zum Ostende wäre etwa 120 Kilometer lang. Auf den uns mittlerweile bekannten „D“-Straßen bedeutet das eine Tagestour, wenn man denn auch mal an diversen Stellen anhalten will. Mehrere Quellen behaupten, dass das Cap die Insel im Kleinen abbildet – die landschaftlich eher „langweilige“ Ostküste, die imposante Felsküste des Westens, dazwischen hohe Berge und kleine Dörfer. Leider ist es heute bedeckt, aber nutzt ja nix, denn das wollen wir sehen. Ganz davon abgesehen, dass wir von der Ostküste bislang gar nichts mitbekommen haben, sieht man von Bastia bei der Ankunft ab. Da wir von Calvi aus alleine schon bis Saint-Florent, dem Startpunkt der Cap-Umrundung, anderthalb Stunden brauchen, wollen wir unsere heutige Tour eher klein halten, um nicht nur im Auto zu braten. Denn trotz des fehlenden Sonnenscheins hat es immerhin 24-28 Grad (je nach Höhe). Saint-Florent lassen wir links liegen, da waren wir ja schon vor vier Tagen. Wir ziehen direkt durch bis etwa in die Mitte des Cap nach Ogliastro. Dort in der Nähe besichtigen wir den „schwarzen“ Kiesstrand, der doch eher anthrazitfarben ist. Die sonderbare Färbung kommt vom vielen Schiefer, der als Abraum eines nahegelegenen und mittlerweile natürlich stillgelegten Asbestbergwerks im Meer gelandet ist und sich am Strand gesammelt hat. Vom nördlichsten Punkt unseres Ausflugs fahren wir wieder zurück Richtung Süden nach Nonza. Der viel besuchte Ort hat eine katastrophale Parksituation. Nur eine Straße, die von der Breite her nicht immer für zwei normale PKWs reicht, führt durch den Ort und die wenigen Parkmöglichkeiten sind alle ausgebucht. Hinzu kommen einige große Reisebusse, die auch gerne schmerzfrei mit mindestens 60 km/h in dieses kleine Verkehrschaos hinein jagen. Wenn man denn dann seinen fahrbaren Untersatz irgendwo abgestellt bekommen hat, sollte man sich den Wehrturm und die Kirche nicht entgehen lassen. Vom Turm aus hat man einen tollen Blick auf den auch hier noch vorherrschenden schwarzen Strand. Er ist mit vielen Symbolen und Schrift verziert, die Spaziergänger mit weißen Kieseln auf den Strand „gemalt“ haben. Einen Kilometer hinter Nonza führt uns ein Geocache einen Hang an der Straße zu einem alten, verfallenen Kloster hinab (Parken in der ersten großen Parkbucht südlich hinter Nonza, gleich an der kleinen Gruft, von oben schon zu sehen, dem Weg folgen). Wir kraxeln zwanzig Minuten den Berg hinunter, der Weg ist relativ gut machbar, aber man sollte Vorsicht walten lassen. Am Kloster angekommen finden wir den Cache schnell, aber ansonsten sind wir leicht enttäuscht, denn die Zugänge zu dem aufgegebenen Gemäuer sind alle verbarrikadiert. Es soll noch einige offene Gräber in der ehemaligen Kirche geben, in denen man noch Gebeine sehen kann. Wir begnügen uns also mit den Ansichten durch die mit Ketten verriegelten Metallgittertore. Sieht auch so leicht gruselig aus. Danach zurück bis zur D81 und einmal quer durch auf die Ostseite des Caps. In der Mitte des Caps halten wir am Aussichtspunkt „Col de Teghime“ von dem aus man bis nach Italien und Frankreich sehen können soll. Leider nicht bei diesem Wetter. Bastia empfängt uns mit der nachmittäglichen Rush-Hour. Die zweitgrößte Stadt Korsikas ist mit ihrem quirligen Verkehr nach all der ländlichen Abgeschiedenheit der letzten Tage fast ein kleiner Kulturschock für uns. Wir kämpfen uns durch die Stadt um wieder in Richtung Norden zu kommen und steuern Erbalunga an. Der Ort wirkt wie ein kleines Piratennest, allerdings nicht von der Straße aus. Man muss sich schon zu Fuß in den Ortskern und an den Hafen bemühen. Unglaublich, dass in bester Lage des bei Touristen wohl sehr beliebten Dorfes ganze Villen einfach verfallen. Nach einem Kaffee auf dem Dorfplatz treten wir den Heimweg über die Schnellstraße an, der wegen eines Staus rund um Bastia statt der eigentlich 1 ½ Stunden 2 ½ Stunden dauert. Wir sind froh, als wir wieder in das ruhige Hinterland kommen. Nach schneller Dusche ins angestammte Campingrestaurant auf einen Grillteller.


Schwarzer Strand bei Ogliastro

Nonza

Schwarzer Strand Nonza

Schwarzer Strand Nonza

Nonza vom Wehrturm aus

Kloster-Ruine bei Nonza

Kloster-Ruine bei Nonza

Kloster-Ruine bei Nonza

Erbalunga

Erbalunga

Erbalunga Hafen (PANORAMA)

Blick über das Cap Corse


TAG 11, 22.09.10, MITTWOCH
Balagne (Calenzana, Montemaggiore), Strand
Sonnig, 28°C, windstill

Die letzten zwei vollen Tage brechen an und die wollen wir gerne ohne große Fahrerei verbringen, zumal sich laut Wetterbericht noch einmal zwei erstklassige Spätsommertage angesagt haben. So geht es nach dem Frühstück und einem kurzen Morgenbad im Meer dann gemütlich rauf in die Balagne. Diese Region hat es uns ohnehin am meisten angetan und wir haben dort bisher nur die Oberfläche an Sehenswertem angekratzt. In 20 Minuten kommen wir von Calvi aus nach Calenzana, das ausnahmsweise sehr komfortabel über die D151 zu erreichen ist. Dort liegen unter dem Dorfplatz vor der Kirche 500 deutsche Söldner begraben, die 1732 im Auftrag Genuas die Stadt zurückerobern sollten. Die ganze Invasion bestand aus Tausenden Soldaten, die von den Einwohnern des Dorfes mit aus den Fenstern geworfenen Bienenkörben und wilden, brennenden (!) Stieren in den Gassen bekämpft wurden. Die Kirche selbst ist ähnlich wie die in Muro so was von im Eimer, das man sich durchaus fragen kann, ab wann dieses Gebäude (in dem regelmäßig Messen stattfinden) zur Gesundheitsgefährdung mutiert. Die Decke eines Flügels ist fast komplett mit tiefen, breiten Rissen durchzogen. Wahrscheinlich liegt der desolate Zustand vieler Gotteshäuser hier daran, dass keine Kirchensteuer erhoben wird. Mutmaßen wir jedenfalls. Kurz hinter dem Dorf liegt die Kapelle Sainte Restitude, die wir aber leider verschlossen vorfinden. Trotzdem gibt es hier etwas zu sehen: Direkt vor dem Tor der Kapelle liegen die verkohlten sterblichen Überreste eines alten LKWs, an der Größe der Rückstände, diversen nicht verbrannten Teilen und geschmolzenem Metall zu erkennen. Wer, bitte schön, fackelt hier genau vor der Kapelle einen alten Laster ab? Aber mittlerweile wundert uns ja fast nichts mehr auf Korsika, da kann uns auch ein bisschen weiter entfernt der über den Zaun hängende Wildschweinkadaver nur noch ein müdes Schulterzucken abringen. Auf dem Weg nach Montemaggiore entdecken wir direkt an der Straße der D151 die alte Ölmühle „U Fragnu“ am Straßenrand, an der wir kurz halten. Wir werden als einzige Kunden freundlich empfangen und uns wird ein Video gezeigt wie George, der Esel der Mühle, das Öl mit den alten Geräten von 18schlagmichtot aus den Oliven herauspresst. Natürlich gibt es das Öl sowie jede Menge anderer Leckereien vor Ort zu erwerben. Das Öl ist zwar wirklich gut (man darf alles probieren), aber doch sehr teuer (13,- EUR für eine 0,35l-Flasche). Da nehmen wir lieber Macchia-Kräuter für uns und andere als Mitbringsel mit. So haben wir zuhause in unserer Kölner Küche noch ein bisschen Korsika-Geschmack für die nächsten Wochen. George stand im übrigen gutmütig vor der Tür der Mühle und wartete auf ihn streichelnde Touristen. Im kleinen Montemaggiore angekommen finden wir auch hier die Kirche verschlossen vor. Dafür sieht sie von außen aus, wie die in Calenzana von innen. Die Heiligenfiguren sind aus den Nischen der Außenwand entfernt, die Mauern bröckeln. Schilder verraten dennoch, dass hier Messen stattfinden. Wir finden es immer noch krass, wie hier manche Dörfer im Hinterland offensichtlich vor sich hin rotten. Gegen drei am Nachmittag kann es bei dem Wetter nur ein Ziel geben: Der „Mata Hari“-Strand in Lumio. Wieder schnorcheln wir zwischen unglaublich vielen verschiedenen und farbenfrohen Fischen aller Größen im warmen Wasser herum, füttern sie aus der Hand mit Brot, tauchen nach perlmuttglänzenden Muscheln und braten zwischendurch in der Sonne. Als diese dann langsam unterzugehen droht, fahren wir im noch halbnassen Zustand auf die Westseite Calvis zur Notre Dame de la Serra (siehe Tag 4), um von dort aus den Sonnenuntergang zu beobachten. Nach der Dusche verabschieden wir uns vom Campingrestaurant und genießen am Hausstrand noch ein bisschen die helle Vollmond-Nacht mit Blick auf das beleuchtete Calvi. Klingt kitschig? War es auch! ;-)


Kirche in Calenzana...

... und ihr brüchiges Innenleben ...

... nicht unbedingt vertrauenserweckend

Sterbliche LKW-Überreste

George von der Ölmühle

Straße 14 km, Luftlinie 5 km

"Kirche" in Montemaggiore

Punti - Unser treuer Begleiter


TAG 12, 23.09.10, DONNERSTAG
Balagne (Aregno, Sant Antonio), Strand
Sonnig, 26°C, windstill

Ein Morgenbad und ein paar Fotos von unserer Wohnung bzw. der gesamten Anlage läuten den letzten Tag ein. Um keine Melancholie aufkommen zu lassen schwingen wir uns ein letztes Mal für diesen Urlaub hinauf in die Balagne. Zuerst besuchen wir bei Aregno die Eglise de la Trinité aus dem 12. Jahrhundert. Die kleine aus verschiedenfarbigen Steinen zusammengesetzte Kirche thront auf einem Hügel, umgeben von einem Friedhof. Erstere ist schön anzusehen, letzterer sehr aufschlussreich. Nicht nur, da man wieder sieht, dass die Verstorbenen hier eher über der Erde beigesetzt werden. Der Korse an sich scheint auch sehr alt zu werden. Sicher gibt es ein paar Ausreißer, die in jungen oder mittleren Jahren ihr Leben lassen mussten (wir tippten auf Verkehrsunfälle), die meisten wurden jedoch alt bis sehr alt. Wir zählen mindestens fünf über Einhundertjährige. Vielleicht sollte man einmal über einen Umzug nachdenken …
Über eine kleine Stichstraße erreichen wir Sant Antonio, eines der schönsten Dörfer Frankreichs, wie der Reiseführer verspricht. Es ist eins dieser typischen Höhendörfer der Balagne und somit sehr hoch gelegen mit steilen, in den Fels eingehauenen Gassen. In der Hochsaison kann man sich auf einem Esel die Straßen hochtraben lassen, der im September natürlich schon Feierabend hat. Das Sant Antonio gut besucht ist, erkennt man am riesigen gebührenpflichtigen Parkplatz zu Fuße des Dorfes an der Kirche. Hier scheint man sich sehr mit den Touristen arrangiert zu haben. Das Dorf präsentiert sich denn auch bis ganz oben auf die Felsspitze ziemlich herausgeputzt und akkurat mit der obligatorischen Hammer-Ausicht. Irgendwie hat mir Speloncato besser gefallen. Auf dem Weg zurück nach Calvi nehmen wir an einer Haltebucht mit Fernblick Abschied von der Balagne, ihrer Weite und ihrer Stille, die momentan nur von einem kreischenden Adler und einer Katze unterbrochen wird. Die miaut aber kläglich? Es kommt aus einem Altpapiercontainer, in den sie sich offensichtlich hinein verirrt hat und nun gefangen ist. Sicher kein Spaß bei der Hitze. Ihr Spielkamerad sitzt mit großen Augen auf einer Mauer daneben, ihm sind die Pfoten gebunden. Kurzerhand kippe ich den Container um, damit die Kleine durch die Einwurfluke im Deckel wieder hinaus klettern kann. Um diese Heldentat reicher, entdecken wir ein paar Kilometer weiter eine sonderbare Kirche mit eingeworfenen Buntglasscheiben direkt am Straßenrand. Klar, die muss auch noch. Die Kirche selber ist geschlossen, durch die eingeworfenen Scheiben kann man aber erkennen, dass sie noch nicht ausgeräumt wurde. Die Tür zu ihrem abgetrennten rückseitigen Teil steht allerdings offen. Und wir sehen neben Ameisenstraßen und einigem Plastikzierrat geöffnete und leere Gräber. Der letzte Mensch wurde vor anderthalb Jahren hier beerdigt, dann aber anscheinend doch schnell wieder umgebettet. Wir glauben, dass wir in einer Art Privatkirche stehen, deren letzter Besitzer und Financier vor anderthalb Jahren starb und sich seitdem niemand mehr für den Bau zuständig fühlte und den Erhalt aufbringen konnte. Jetzt aber an den Hausstrand, es ist schon früher Nachmittag. Bis die Sonne untergeht verabschieden wir uns noch standesgemäß von Sand und Mittelmeer. Zur Feier des Abschieds schnabulieren wir noch einmal ein wenig unglaublich leckeres Wildschwein im „St. Maria“ am Place de Crudeli.


Eglise de la Trinité bei Aregno

Sant Antonio

Selbstportrait ;-)

Kirche Sant Antonio

Die mysteriöse kleine Kirche

Die mysteriöse kleine Kirche

Die mysteriöse kleine Kirche


TAG 13, 24.09.10, FREITAG
Calvi-Nizza-Genua-Köln
Bedeckt, 18°C, windstill

Bah, was für ein Wetter. Richtig dunkel ist es draußen und eher kühl obendrein. Wie gut, dass wir heute nach Hause fahren ;-) Man kann sich alles schönreden. Nach Frühstück und Kofferpacken fahren wir die paar Meter zum Fährhafen von Calvi und reihen uns in die Schlange der Wartenden ein. Die Wartezeit verbringen wir mit einem Bummel am Hafen, wo wir den Fischern dabei zuschauen, wie sie ihren nächtlichen Fang an den Mann bringen. Wir beobachten Fischschwärme im Hafenbecken und einen unermüdlich nach Frühstück tauchenden Kormoran. Dann kommt auch schon unsere Fähre, die einmal angelegt verdammt groß im Vergleich zu Calvis Hafen wirkt. Das Einfahren verläuft recht chaotisch, wir werden so eng an die anderen Autos herangelotst, dass deren Insassen und wir kaum aussteigen können. Die Fähre von Corsica Ferries unterscheidet sich nicht groß von der Moby Lines Fähre der Hinfahrt, bis auf die Tatsache, dass der Kaffee absolut ungenießbar ist. Um 11.00 legt sie ab. Da das Wetter nicht gerade zu einem Aufenthalt an Deck einlädt, verziehen wir uns nach dem Abschiedswinken in Richtung Calvi in den Bauch des Kahns. Eine Kabine haben wir dieses mal nicht gebucht, schlafen wäre trotzdem schön, aber jeder Winkel und jede Sitzgelegenheit in den Restaurants und Bars ist besetzt. Genau in der Mitte des Schiffes finden wir recht bequeme Schlafsessel in einem großen Raum, der an ein Flugzeug erinnert. Komischerweise sitzen hier nur ganz wenige Leute. Wir bleiben über zwei Stündchen dort und halten Nickerchen oder lesen. Nach dieser Zeit fällt mir ein kleines Schild auf, dass daran erinnert, das die Sessel gebucht werden müssen und kostenpflichtig sind. Ach deswegen sitzen hier so wenige! Ähmn, ja, wir wollten sowieso gerade gehen. Die letzte Stunde streifen wir auf dem Schiff herum und beobachten die Ankunft in Nizza, dass wir gegen 15.15 Uhr erreichen, vom Deck aus.
Nachdem wir uns durch die Stadt gekämpft haben, beginnt das langweiligste an einer weiten Autoreise – die Rückfahrt. An einem Rastplatz kurz hinter Nizza halten wir noch eben an, um eine tolle Aussicht auf Monaco und Monte Carlo zu genießen. Dann geht es durch mindestens Einhundert Tunnel Richtung Genua. Ab dort beginnt es unter der immer noch geschlossenen Wolkendecke heftigst zu regnen. Rund um Mailand herum geraten wir in die Rush-Hour eines frühen Freitagabends und verlieren über eine Stunde in Stau und Sturzbachregen. Auch nach der Einfahrt in die Schweiz pladdert es unaufhörlich weiter und hört auch nicht auf, nachdem wir den Gotthardtunnel durchquert haben. Mittlerweile ist es 22.30 Uhr geworden und wir machen an der Raststätte Gotthard Nord (zu empfehlen!) die erste Pause, um Diesel und Schnitzel zu tanken. Während meine Beifahrerin selig schlummert, lasse ich mich von einem Stephen King Hörbuch unterhalten. Erst um 04.30 Uhr am Samstagmorgen erreichen wir Köln, der Dauerregen hat uns bis Koblenz verfolgt.
Gute Nacht und bis zum nächsten Mal!


Unsere Fähre nach Nizza

Ist sowieso doofes Wetter

Tschüß Calvi, war toll!


Zum Abschluss noch die Zahlen aus dem Bordcomputer:

Gefahrene Kilometer: 3175
Durchschnittsverbrauch: 5,5 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 65 km/h
Komplette Fahrzeit des Urlaubs: 48 Std. 44 Min.


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